Bei 1899 Hoffenheim kennt man sich aus mit Imageproblemen. Vor dem wenig attraktiven Pokal-Achtelfinale gegen den FC Augsburg (ab 20.30 Uhr im Live-Ticker) steht der Verein aber vor einem ungewohnt neuen Problem. Bisher musste der Club aus dem Kraichgau vor allem außerhalb seines Stammlandes um Akzeptanz ringen. Dass das zum ersten Mal im Kernland des Bundesligisten auftritt, macht die Problembewältigung um einiges schwieriger.

Nach dem 1:1 gegen Hertha BSC, einem in vielen Belangen leidenschaftslosen Auftritt und dem dritten Heimspiel in Folge, in dem es einen späten Ausgleich zu verkraften galt, folgten Schimpfkanonaden gegen die eigenen Zuschauer. Torwart Tom Starke und Präsident Peter Hofmann traten mit teilweise drastischen Vorwürfen als Wortführer auf.

Dabei hatte die Anhängerschaft zuvor schon mit den "Füßen" abgestimmt und ein erstes Signal gesendet, im Verhältnis von Zuschauer und Verein könnte etwas in eine ungute Schieflage geraten sein. Zum ersten Mal kamen "nur" rund 25.000 Besucher und damit etwa 5.000 weniger als sonst. Und diesmal pfiffen die enttäuschten Zuschauer noch früher als in den vergangenen Wochen.

Lange kümmerte man sich bei 1899 Hoffenheim vor allem darum, im Rest der Republik anerkannt zu werden, was schwer genug fiel und von allerlei Rückschlägen begleitet wurde. Etwa der Schall-Attacken-Affäre, dem kritisch betrachteten Engagement von Mäzen Dietmar Hopp und dem daraus resultierenden Image, zur Not Geld ausgeben zu können wie Dagobert Duck. Die PR-Strategen aus dem Kraichgau wollten ihren Klub sympathischer machen, wozu auch die Verpflichtung des Hamburger Motivators Holger Stanislawski gehörte. Offen wurde die Nachricht einer neuen Welle der Spar-Vernunft bei 1899 verkündet.

Doch von Charme-Offensive war nach dem Hertha-Spiel nichts mehr zu spüren. "Die Zuschauer haben kein Recht, uns zu kritisieren", sagte Starke, der noch auf dem Platz mit Gesten seinem Unmut Luft machte. "Ich habe für die Pfiffe kein Verständnis. Ich nehme die echten Fans der TSG von der Kritik aus. Das sind aber nur die 1.000 hinter mir im Fanblock. Die anderen 20.000 sind neutrale Fußball-Zuschauer, keine Fans. Da muss man 5:0 gewinnen, dann stehen sie auf und klatschen."