Sie sind schnell, sie sind waghalsig, sie fahren in der Weltspitze mit – und dennoch sind die deutschen Ski Crosserinnen hierzulande noch lange nicht so bekannt wie ihre Kolleginnen, die Wintersport- und Werbeikonen Maria Höfl-Riesch oder Magdalena Neuner. Letztere hat mit gerade einmal 25 Jahren das Ende ihrer Karriere verkündet – einerseits weil sie so gut wie alles in ihrer Sportart gewonnen hat, andererseits weil sie dem Medienrummel entkommen und lieber eine Familie gründen will.

Die beiden bisher erfolgreichsten deutschen Ski Crosserinnen, die 23-jährige Heidi Zacher und die ein Jahr jüngere Anna Wörner, haben für diesen Schritt noch ein paar Medaillen zu gewinnen und Werbeverträge zu unterschreiben. Die beiden Sportlerinnen stehen noch am Anfang ihrer Karriere. Genau wie ihr Sport.

Erst seit Vancouver 2010 ist Ski Cross olympisch. Damals fesselte die junge Sportart in der Spitze über 6 Millionen Zuschauer vor den Bildschirmen und war so etwas wie das coole Gesicht der Winterspiele. Heli Herdt, sportlicher Leiter des deutschen Ski Cross-Teams wundert sich darüber nicht: "Wenn sich vier Fahrer gleichzeitig in die Piste stürzen, ist das für alle, auch die Zuschauer, Adrenalin pur", sagt er.

Die große Ski Cross-Euphorie brach nach den Olympischen Spielen aber doch nicht aus. Das liegt auch an der fehlenden Medienpräsenz. Das ändert sich in dieser Saison, der Heimweltcup in Bischofswiesen Ende Februar wird komplett live im Free-TV zu sehen sein. Bisher waren nur Zuschauer von Eurosport 2 live dabei, einem nur mittelgroßen Bezahlsender. Dafür ist die Sportart zu jung, die Infrastruktur muss noch wachsen

Auch die beiden deutschen Spitzencrosserinnen sind nicht reine Kinder ihrer Sportart. Sowohl Heidi Zacher als auch Anna Wörner waren erst bei den Alpinen aktiv, fuhren nicht Mann gegen Mann, sondern gegen die Uhr. Bis sie die Sportart wechselten. "Für mich ist gerade der direkte Kampf ums Weiterkommen das Faszinierende. Im Alpinen fehlt mir das – und die Elemente auf der mit Sprüngen, Steilkurven und Wellen gespickten Strecke", sagt Wörner. Und Zacher sagt: "Das direkte Duell gibt es einfach nur bei uns. Du stehst im Starthaus, hörst die anderen Schnaufen und weißt: Du musst jetzt schneller sein als die drei neben dir."

Im vergangenen Jahr holte Zacher den ersten deutschen Weltcup-Sieg und fuhr bis zum letzten Rennen auch um den Sieg im Gesamtweltcup mit, wurde am Ende knapp Zweite. Auch Wörner konnte sich in der vergangenen Saison einmal in die Siegerliste eintragen, landete im Gesamtweltcup auf dem 7. Platz.

Wenn sich Zacher und Wörner gerade einmal nicht in die Piste stürzen, arbeiten sie in ganz normalen Berufen. Zacher bei einer Bank, Wörner macht eine Ausbildung zur Erzieherin. Das heißt aber nicht, dass sie Ski Cross nur nebenbei betreiben. Für die Wettbewerbe und das Training werden sie von ihren Arbeitgebern freigestellt. "Unsere Saison startet am 1. Mai. Dann heißt es fünfmal die Woche trainieren", sagt Herdt.