Jeder anständige Preis hat seinen Gegenpreis. Der Nobelpreis den alternativen Nobelpreis, der Oscar die Goldene Himbeere. Auch der Ballon d'Or, der Goldene Ball, mit dem der beste Fußballer der Welt jährlich ausgezeichnet wird, hat sein Pendant: Den Ballon de Plomb, den Bleiernen Ball für katastrophale Auftritte auf und neben dem Platz. Gewählt wird der Preisträger seit 2003 von den Lesern des französischen Sportmagazins Les Cahiers du football.

Die Kriterien sind fußballerisches Unvermögen, misslungene Karriereplanung und Charakterlosigkeit. In allen Kategorien brilliert der diesjährige Gewinner auf selten beeindruckende Weise. Wären unsere Titel-Kandidaten börsennotiert gewesen, Moody's hätte unserem Gewinner ein Triple A verpasst, schreibt das Magazin. Es geht um Moussa Maazou, Stürmer, Nationalspieler aus dem Niger, für den es im Jahr 2011 zuverlässig bergab ging – von Südfrankreich über Moskau bis in die belgische Provinz.

Sein abenteuerliches Jahr begann der 23-Jährige mit einem bemerkenswerten Interview. Der russische Erstligist ZSKA Moskau hatte ihn nach Frankreich, zu Girondins Bordeaux, ausgeliehen, wo ihm in der Hinrunde außer einem Tor überhaupt nichts gelang. Das sah auch Maazou so: Auf einer Zehner-Skala würde er seine Leistung noch nicht mal mit einem Punkt benoten, sagte er der Zeitung 20 Minutes. Das hätte durchaus als sympathisch selbstkritisch durchgehen können, hätte er nicht im selben Atemzug erklärt, sein Dauerformtief hänge damit zusammen, dass er eben gerne zentral spiele und lange Bälle brauche. "Hier aber muss man passen und das alles... Wir spielen Fußball. Es ist schwieriger."

Jeder ein Profi

Die Sätze sind zum Bonmot der Girondins-Anhänger geworden. Ein Fanportal rief den "Maazou-Wettbewerb" aus: Freizeitkicker sollten Videos ihrer Künste einsenden – vielleicht winke ihnen ja auch ein Vertrag bei den Girondins. Schließlich habe Maazou gezeigt, dass jeder Profikicker werden könne. Und Maazou legte in besagtem Interview nach: "Die Leute können sagen was sie wollen. Wenn sie enttäuscht sind, ist das ihr Problem. Das geht mir am Arsch vorbei." Das wiederum fanden die eigentlich recht besonnenen Bordelaiser wenig lustig. Sie lösten den Vertrag mit Maazou auf.

Weiter ging es für den Mann aus dem Niger beim AS Monaco. Dort scherte man sich nicht um dessen wenig schmeichelhaften Äußerungen, sondern erinnerte sich an ein paar torreiche Maazou-Monate in der Vorsaison. Für die Fahrt ans Mittelmeer mietete der Stürmer bei einem Sponsor des ehemaligen Vereins aus Bordeaux einen Leihwagen, den er anschließend einfach behielt. "Er hat nicht mehr gezahlt. Als ich ihm seine Konten sperren wollte, hatte er sie schon aufgelöst", erklärte der Autoverleiher.

Nur zwei Tage nach seinem Transfer bestritt Maazou sein erstes Spiel für den neuen alten Verein. In der 69. Minute wurde er eingewechselt, nach dem Schlusspfiff verspürte er einen Schmerz: Kreuzbandriss, sechs Monate Pause. Immerhin trug er so mit seinen nur 21 Spielminuten in der Saison 2010/2011 wohl eher keine Schuld daran, dass der traditionsreiche AS Monaco am Ende abstieg.