Die Nationalmannschaft überzeugte beim 3:3 im Testspiel gegen Deutschland, mit dem das rekonstruierte Kiewer Olympiastadion eingeweiht wurde, aber durch ihr überfallartiges Umkehrspiel. "Diese Schnelligkeit, diese Inspiration, Furchtlosigkeit und Abschlussstärke – eine Offenbarung", sagt ein ukrainischer TV-Kommentator. Damit habe das Team die Zuschauer in Euphorie versetzt.

Trotzdem wird die Ukraine ein Wunder brauchen, um ihre Vorrundengruppe mit England, Frankreich und Schweden zu überstehen. OK-Chef Lubkiwski demonstriert augenzwinkernd Selbstbewusstsein: "Für uns zählt nur der Turniersieg. Da lachen Sie? Ich habe nach dem 3:3 gegen Deutschland gelacht!"

Mit schnellem Umschalten von Defensive auf Offensive steuert die Ukraine inzwischen zumindest organisatorisch auf ein Happy End zu. Nach der EM-Vergabe 2007 hatte der europäische Verband Uefa lange ein höheres Tempo angemahnt und mehr oder weniger unverhohlen damit gedroht, ukrainische Austragungsorte von der Liste zu streichen. Das ist vom Tisch. Als letztes der vier Stadien wurde Ende Oktober die Arena Lwiw in Lemberg eingeweiht.

Schnelle Züge, schnelle Visa

Nach der Winterpause wird es als neue Heimspielstätte des Ortsklubs FK Karpaty getestet. Mit der Donbas Arena in Donezk verfügt die Ukraine seit 2009 über eines der attraktivsten Stadien in ganz Europa. Im Kiewer Olympiastadion findet am 1. Juli das EM-Finale statt.

Fraglich ist, wie sich die Ukraine bei der übrigen Infrastruktur schlägt. Mangels Autobahnen werden sich Pkw-Fahrer über Fernverkehrsstraßen quälen müssen. An der Grenze zwischen Polen und der Ukraine sollen die Kontrollen bei der EM nur auf polnischer Seite erfolgen, um die Abfertigung zu beschleunigen.

Die ukrainische Bahn hat bei Hyundai in Südkorea neue Triebwagenzüge gekauft. Sie sollen die Fahrzeiten erheblich verkürzen. Sorgen bereitet die Bettenkapazität der Hotels.

Problemlos gestalten sich in jedem Fall die Einreiseformalitäten. EU-Bürger können sich bereits seit Jahren bis zu 90 Tage visafrei in der Ukraine aufhalten. Fernsehkommentator Alexander Gliwinski appelliert an Besucher aus dem Westen, sie mögen "nachsichtig sein mit uns", wenn es während der EM an der einen oder anderen Stelle klemme. "Wir sind wirtschaftlich noch ein Entwicklungsland und können nicht alles von heute auf morgen lösen." Eines stehe jedoch fest: "Die EM wird ohne jeden Zweifel ein großes Fest."