Krise ist, wenn überall ein neues Zitat steht, das kein gutes Haar am Trainer lässt. 1899 Hoffenheim ist seit Tagen in der Krise. Holger Stanislawski ist es auch. Stück für Stück demontieren sich im Kraichgau-Club – abgesehen von sportlichen Krisen – die Protagonisten als gäbe es nichts Schöneres. Man ist schon so weit im Sumpf gegenseitiger Vorhaltungen angekommen, dass eine baldige Trennung vom Trainer nicht mehr ausgeschlossen wird.

Nach nur sieben Monaten ist von der Aufbruchstimmung, die der "Sympathieträger" Stanislawski auslöste, nicht viel übrig geblieben. Ein einziger Funke scheint mittlerweile auszureichen, um zu einer Explosion zu führen. Eine Niederlage im Viertelfinale des DFB-Pokals am Mittwoch (ab 19 Uhr im ZEIT-ONLINE-Live-Ticker ) gegen den Zweitligisten Greuther Fürth könnte genau dieser Funke sein. Die Stimmung im Umfeld des Clubs driftet Richtung Gleichgültigkeit. Für die Partie gegen Fürth sind bisher knapp 10.000 Karten verkauft.

Mittlerweile darf nicht mehr nur der alles entscheidende Mäzen und Gesellschafter Dietmar Hopp , der über 240 Millionen Euro in sein Projekt steckte, an Stanislawskis Autorität rütteln und jeder Laune freien Lauf lassen. Zum Höhepunkt der Chaostage meldete sich der einstige Schwimmstar Franziska van Almsick. Sie sei nicht sicher, ob Stanislawski der richtige Trainer sei, sagte sie: "Das sieht im Moment nicht so toll aus." Van Almsick wird Stanislawski kaum entlassen, sie gehört dennoch zu dem Teil des Meinungsverbreitungs-System Hopps, der sich auf eine gewisse Nähe berufen darf. Ebenso das Boulevardblatt Bild , das andeutete: "Bild weiß, Stanislawski wackelt". Und die Hopp-nahe Rhein-Neckar-Zeitung meinte, es würde bei weiteren Niederlagen "eng werden".

Im selben Atemzug wird Hopp zitiert, der den Fußballlehrer angreift. "Es ist schwer, eine Linie zu erkennen", sagte er. "Bei Ralf Rangnick war zu sehen, dass er ein Pressing spielte", so Hopp. Und: " Augsburg war ein Tiefschlag, aber leider kein Einzelfall". Die Frage sei, ob die Kraft fehle oder ob "die Spieler die Köpfe nicht frei" hätten. Zuvor sprach Hopp von "Ernüchterung": "Unser Fußball reißt derzeit kaum vom Hocker." Auf der Club-Homepage lässt er dagegen mitteilen "Stani" sei ein hervorragender Trainer.

Mit seinem Zickzackkurs und den ständigen Einmischungen verärgert Hopp mittlerweile die eigenen Spieler. "Oh, da muss ich aufpassen was ich sage", sagte Torwart Tom Starke und fand die Kommentare des "Chefs" nicht "hilfreich".