Als der Vierte Offizielle die sehr lange Nachspielzeit, vier Minuten, anzeigte, raunte das gesamte Stadion, als wollten die 37.800 Zuschauer im Bremer Weserstadion fragen: Warum soll das noch länger dauern? Die deutsche Mannschaft lag 0:2 zurück und hinterließ nicht erst in der Schlussphase dieses Testspiels den Eindruck, dass sie das Ergebnis nicht mehr zu ihrer Gunst ändern könnte.

Nach dem 0:1-Pausenrückstand hatten die Deutschland-Fans vergeblich auf eine angemessene Reaktion gewartet, nach dem 0:2 war mehrfach ein weiteres Gegentor möglich. Doch im nächsten Moment gelang Joachim Löws Elf die beste Kombination des Abends, die Cacau zum 1:2-Endstand abschloss.

Spätestens seit dem beschwingten Sieg gegen Holland im November wird die deutsche Nationalmannschaft als Kandidat auf den EM-Titel gehandelt. Doch im letzten Spiel vor der Nominierung des Kaders der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine enttäuschte sie. Oder positiv ausgedrückt: Sie vernahm einen Vorgeschmack auf ein Turnier, in dem sie schon in der Vorrunde auf drei starke Konkurrenten treffen wird.

"Wir können nicht an jedem Tag so gut spielen, nur wenn wir alles investieren", sagte Mats Hummels nach dem Spiel. Hummels stellte sich den Journalistenfragen ausführlich und sollte auch auf dem Platz den Chef der Abwehr geben. Zwar war er oft am Ball und gewann auch viele Zweikämpfe, doch machten er und seine Kollegen in der Abwehr viele taktische Fehler. Sie ließen die Abstände zum Mittelfeld wachsen, die Viererkette rückte nicht schnell und weit genug heraus, wie etwa vor dem ersten Gegentor. Oder sie ließ sich weit auseinanderreißen wie vor dem zweiten.

Mats Hummels ist beim Meister Dortmund der unumstrittene Leader, im Nationalteam gelingt ihm das nicht. Offenbar akzeptieren ihn seine Nebenleute nur bedingt. "Wenn wir nach der Vorbereitung gut eingespielt sind, wird das anders", sagte er. Doch sein Stammplatz für das EM-Turnier ist in Gefahr, sobald Per Mertesacker wieder fit wird.

Hummels ist nur ein Beispiel dafür, dass in Bremen einige aus der zweiten Reihe ihre Chance nicht nutzen konnten. "Für manche war die Partie ein wichtiger Gradmesser", sagte der leicht verstimmte Bundestrainer, "um das internationale Niveau zu erkennen." Ungewöhnlicherweise nannte Joachim Löw einen der Schuldigen des 0:1 sogar beim Namen: " Dennis Aogo muss in dieser Situation nach außen verteidigen." Auch das zweite Gegentor fiel über die Seite des Hamburger Linksverteidigers, der nervös wirkte, sobald sich Ball oder Gegenspieler ihm näherten, und den das Bremer Publikum gerne in der ersten Halbzeit ausgewechselt hätte.