Wenn der Trainer von Hajduk Split morgens um 2.15 Uhr nach einem Spiel gegen HNK Rijeka eine Pressekonferenz gibt, dann interessieren diese Vorkommnisse im fernen Kroatien hierzulande nicht einmal Fußballnerds oder Schlafwandler. In diesem Fall aber sollte die Nachricht, die dort verkündet wurde, umgehend den Weg nach Deutschland finden. Der Trainer von Split erklärte, das Angebot des 1. FC Kaiserslautern anzunehmen, der in der Bundesliga gegen den Abstieg spielt. Der Name des nächtlichen Öffentlichkeitsarbeiters: Krassimir Balakow.

"Ich glaube, dass es gut gehen wird, dass wir uns rausreißen und den Abstieg vermeiden können", sagte Balakow. Der Bulgare, 236 Bundesliga-Spiele als Aktiver, 54 Tore, bevor Otto Rehhagel zusagte auch bei der Hertha im Gespräch, wird der Nachfolger des am Dienstag entlassenen Marco Kurz . Lautern braucht Balakow, Lautern ist Tabellenletzter, Lautern hat seit 16 Spielen nicht mehr gewonnen. Am Dienstagnachmittag wurde er offiziell vorgestellt.

Ein neuer Trainer verursacht immer reflexhafte Kommentare. Jeder hat eine Meinung. "Um Gottes willen", sagen die einen. "Ein Glücksfall", die anderen. Unentschlossen ist so gut wie niemand. In Balakows Fall zeigt sich in Fanforen und bei Straßenbefragungen vor allem Ratlosigkeit. Man kenne zwar diesen Balakow, sagen sie alle. Aber nur den Spieler-Balakow. Der war damals als Diva verschrien. Wenn er nicht wollte, wollte er nicht. Er soll in Stuttgart einen Journalisten geohrfeigt haben, seinem damaligen Trainer Ralf Rangnick verweigerte er einst den Handschlag. Liebhaber, von denen es viele gab, etwa der ehemalige VfB- und DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, schrieben dem Bulgaren geniale Züge zu.

Ende der neunziger Jahre gab Balakow beim VfB Stuttgart den Strategen in der seinerzeit offensivstärksten Mannschaft. Neben Fredi Bobič und Giovane Elber war Balakow der wichtigste Eckpunkt des "Magischen Dreiecks". Er gewann mit dem VfB den DFB-Pokal 1997, stand ein Jahr später im Europapokalfinale der Pokalsieger und wurde mit Bulgarien 1994 sensationell WM-Vierter. Man frage nach bei Berti Vogts .

Ähnliche Heldentaten im Trainingsanzug sind nicht überliefert. Nicht nur, weil sich Balakow gerne in feinen Zwirn zwängt, sondern weil trotz neun Jahren Trainertätigkeit noch immer niemand weiß, wer das genau ist, dieser Trainer-Balakow. Nachdem er beim VfB Stuttgart des Fußballspielen einstellte, assistierte er zunächst Felix Magath und Matthias Sammer , zwei späteren Meistertrainern. Es folgten Cheftrainerposten bei den Grasshoppers Zürich , dem FC St. Gallen, dem FC Burgas und Hajduk Split. Zürich musste er wegen Erfolglosigkeit verlassen, im bulgarischen Burgas ging das Geld aus, Hajduk Split liegt nach seinem freiwilligen Abschied dreizehn Punkte hinter Dinamo Zagreb.