ZEIT ONLINE: Sie gelten heute als Vater des modernen Fußballmanagements. Sehen Sie sich selbst auch so?

Peter Krohn: Modern ist mir zu vage. Dass ich die Bedeutung des Marketings für den Fußball erkannt habe, trifft es eher. Wir waren nach Eintracht Braunschweig überhaupt erst der zweite Verein, der einen Vertrag für Trikotwerbung abgeschlossen hat. Mit der professionellen Organisation des Fußballs war es Anfang der siebziger Jahre, zumindest in Deutschland, generell noch nicht weit her. Da ich von Haus aus Diplom-Kaufmann und Betriebswirt bin, hatte ich einen anderen Blick auf die Verhältnisse. Als ich beim HSV anfing, hatten wir eine Geschäftsstelle, da arbeiteten sieben, acht Damen: Buchhalterinnen beispielsweise und zwei Mitarbeiterinnen, die die Karten verkauften. Das war der gesamte Unterbau.

ZEIT ONLINE: Manchen Fußballanhängern sind Sie heute bekannt als der Mann, der die rosa HSV-Trikots erfunden hat.

Krohn: Ach, das kann ich schon nicht mehr hören. Darauf kann man mich nun wirklich nicht reduzieren.

ZEIT ONLINE: Aber es stimmt, dass sie Wert darauf gelegt haben, Frauen anzusprechen?

Krohn: Die Vereine haben damals überhaupt noch keine speziellen Zielgruppen anvisiert. Weil ich das in meiner beruflichen Laufbahn vorher anders erlebt hatte, kam ich auf die Idee mit den frauenaffinen Trikots. Über eine Zeitung haben wir einen Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem man einen Nachmittag beim HSV gewinnen konnten. Da gab es dann eine Modenschau, bei der darüber abgestimmt wurde, in welcher Farbe der HSV spielen sollte. Das Resultat unserer Aktivitäten: Der Frauenanteil an den Zuschauern lag bei uns bei zirka zehn Prozent – damit lagen wir an der Spitze der Bundesligisten. Heute ist der Wert natürlich wesentlich höher.

ZEIT ONLINE: Welche Marketing-Maßnahmen haben Sie noch eingeführt?

Krohn: Es mussten vor allen Dingen solche sein, die nicht viel kosten. Als ich den Klub übernahm, hatten wir 3,4 Millionen Mark Schulden. Ich habe zum Beispiel das Showtraining eingeführt. Wir waren ja der erste Verein, der so etwas gemacht hat.

ZEIT ONLINE: Was hat man sich darunter vorzustellen?

Krohn: Um zu Saisonbeginn die Zuschauer anzusprechen, haben wir auf dem alten HSV-Platz am Rothenbaum eine bayerische Blaskapelle vom Hamburger Dom aufspielen lassen. Drumherum haben die Spieler ihre Trainingseinheiten absolviert. Da haben dann viele geschimpft über den "Zirkus Krohn". Aber man musste damals immer um den Zuschauer kämpfen. Das Publikum reagierte noch kurzfristig auf die sportliche Situation: Wenn wir auswärts verloren, kamen beim nächsten Heimspiel ein paar tausend weniger. Das ist mittlerweile nicht ja nicht mehr so. Auch die Medienlandschaft war eine andere. Für Spiele wurde noch auf Plakaten auf Litfaßsäulen geworben. Wenn wir gegen Schalke 04 spielten, stand nicht die Paarung drauf, sondern "Max Merkel kommt".

ZEIT ONLINE: Aus Ihrer Zeit beim HSV stammt die Aussage, Freundschaftsspiel sei "ein Terminus aus dem vorigen Jahrhundert".

Krohn: Ich finde, wenn das Publikum Eintritt zahlt, muss es um etwas gehen. Deshalb hieß es bei uns dann Hafenpokal oder Deutscher Supercup.

ZEIT ONLINE: Aber der Supercup ist doch ein DFB-Wettbewerb.

Krohn: Der DFB hat ihn erst 1987 offiziell eingeführt. Als wir 1977 die Idee hatten, wollte er noch nichts davon wissen. Wir als Pokalsieger spielten gegen Mönchengladbach. Das war übrigens das erste Fußballspiel, das August Everding, der damalige Intendant der Hamburgischen Staatsoper, in seinem Leben gesehen hat. Wir haben zwar 2:3 verloren, aber Arno Steffenhagen hat ein tolles Tor geschossen. Ein Fallrückzieher à la Uwe Seeler . Da sagte Everding zu mir: "Das ist ja so toll, als ob Placido Domingo bei mir heute Abend das hohe C besonders gut singt." Das hat die Presse natürlich aufgegriffen, weil es damals noch etwas Besonderes war, wenn sich Vertreter der Hochkultur positiv zum Fußball äußerten. Auch auf diese Weise haben wir den Verein ins Gespräch gebracht.