Der Kreis ist Plicht. Nach jedem Spiel versammelt Josep Guardiola seine Spieler um sich herum. Der Trainer des FC Barcelona hält dann eine kurze Ansprache und analysiert die vorangegangenen 90 Minuten im Schnelldurchlauf. In der Regel soll es dabei sehr harmonisch zugehen. Viel Lob. Etwas Kritik. Verbesserungsvorschläge. Meistens.

Nach dem Spiel gegen Real Madrid war alles anders und Guardiola wütend. Das zumindest berichtet die spanische Zeitung El mundo deportivo . Aus der taktischen Analyse soll eine grundsätzliche Rüge geworden sein. Nicht etwa, weil das Duell gegen den Erzrivalen 1:2 verloren ging. Auch nicht, weil die spanische Meisterschaft bei sieben Punkten Rückstand auf Real nur noch theoretisch erreichbar ist. Guardiolas Wut war fundamentaler.

Fünf Stunden vor dem Spiel am Sonnabend hatte ein Radiosender aus Madrid die Aufstellung des FC Barcelona bekannt gegeben. Und: Sie stimmte. Dabei wussten zu diesem Zeitpunkt nicht einmal die Spieler, wie die Startformation aussehen würde. Nach dem Abschlussspiel konnten sie es nur ahnen. Guardiola jedenfalls vermutet einen "Maulwurf" im Kader. Und Kandidaten dafür gäbe es. Zuletzt waren nicht alle mit den Entscheidungen des Trainers rundum zufrieden. Gegen Real etwa mussten die teuren Neuzugänge Cesc Fabregas und Alexis Sanchez überraschend auf die Bank.

Ausgerechnet vor dem so wichtigen Rückspiel im Halbfinale der Champions League gegen den FC Chelsea (20.45 Uhr, live bei Sky und im ZEIT-ONLINE-Ticker ) bekommt die heile Welt beim Titelverteidiger erste Risse. 0:1 gegen Chelsea, 1:2 gegen Real – zum ersten Mal seit drei Jahren hat Barça wieder zwei Spiele am Stück verloren. Damals gegen Mallorca und Osasuna. Nichtig. Der Titel in der Liga war so gut wie sicher. Am vergangenen Mittwoch in London und am Sonnabend im Camp Nou aber war es wichtig. Nun hängt der Erfolg der ganzen Saison an dem einen Spiel am heutigen Dienstag.