Ostermontag. Solingen, 15:03 Uhr. "Das gibt es doch nicht", brüllt Jörg Malcherek in Richtung Spielfeld. Der Torwarttrainer springt auf, schimpft, schreit: "Da haben wir gerade in der Kabine noch drüber gesprochen." Nervös läuft er an der Seitenlinie auf und ab. "Wacht auf!" Er klatscht in die Hände. Sein VfB Solingen liegt 2:0 zurück. Nach drei Minuten.

Zwei Tage später. Presse-Zone in der Dortmunder Arena, 22:24 Uhr. Gedränge. Der Torschütze Robert Lewandowski tritt ein. Die Reporterschar arbeitet sich in seine Richtung vor. Das Spiel gegen die Bayern ist seit einer halben Stunde Geschichte. "Komm‘ Robert, ein Foto von Deiner Hacke", drängt ihn ein Vertreter des Boulevards. "Beim Training", antwortet der. Der Reporter hetzt zufrieden weiter zum designierten Meistertrainer.

Zehn Tage am Stück war ich nur beim Fußball – und wenn ich nicht beim Fußball war, war ich auf dem Weg dorthin. Die Reise war turbulent und manchmal lagen Welten zwischen den Spielen, die ich während meiner Groundhopping-Tour mit dem Fahrrad sah. Hier ein verregneter, unaufgeregter Kick vor 70 Rentnern, dort Gedränge, Gejohle um ein junges Profi-Team, das sich anschickt, Deutscher Meister zu werden.

An einem Tag stieß ich mit einem Chrysler zusammen und kam mit Prellungen davon, am nächsten stand ich wieder auf dem Sportplatz in Solingen. Und 24 Stunden später sang ich in Düsseldorf "I just can’t get enough". Dann wieder kämpfte ich bei Wankdorfwetter mit den sauerländischen Bergen. Und trank danach ein Bier mit den Bilsteiner Jugendspielern.

Drei, vier Leute saßen im Bilsteiner Clubheim am Donnerstagabend, das Spiel ihrer Ersten Herren sollte gleich losgehen. Alte Mannschaftsfotos und Urkunden hängen an den Wänden, es gibt eine kleine Theke. "Machst Du mal die Passkontrolle?", fragte der Clubheimwirt den Trainer der Ersten. Er drückte ihm das Spieler-Passheft des gegnerischen Teams in die Hand. Die Mannschaften regeln das hier scheinbar untereinander, schauen selbst, ob alle Pässe gültig sind. Der Trainer blätterte die leicht vergilbten Dokumente durch und sagte: "Jau, alles okay."

Das Spiel des FC Bilstein gegen den SV Brachthausen-Wirme war dann ein Gebolze im Dauerregen. Bei so manchem missglücktem Torabschluss konnten die Spieler froh sein, dass das Spielfeld von Bergen umgeben ist. Ballholen ging schnell. Am Rand unterhielten sich die verletzten Spieler über die Anmachversuche vom letzten Wochenende und das nächste Revierderby: Einer mit Gips und Krücken fragte ein kleines Mädchen, das vor ihm herumtobte: "Wie alt bist Du jetzt, Janine?" Antwort: "Null Vier." Hier ist man entweder Schalker oder Dortmunder.