Matthias Steiner schrie die Erleichterung aus seinem Körper, und bei einer Masse von 140 Kilogramm kam da ein ordentliches Gebrüll zusammen. Es kündete von einem Erfolg, mit dem er selbst nicht wirklich gerechnet hatte. Besser als gedacht sei es gelaufen, sagte der Gewichtheber, nachdem er sich ausgebrüllt und die Silbermedaille an seinem Hals baumelte. Steiner landete bei der Europameisterschaft in Antalya auf dem zweiten Platz. Vor allem aber hat er sich mit seinen 424 Kilogramm im Zweikampf für die Olympischen Spiele in London qualifiziert. Und dass ihm das gelingen würde, daran hatten vor ein paar Wochen noch nicht sehr viele geglaubt.

In gewisser Weise schrie der Superschwergewichtler am vergangenen Wochenende also auch all die Skeptiker an, die ihn nun schon seit einer ganzen Weile begleiten. So sehr wie ihn die Menschen nach seinem bewegenden Olympiasieg vor vier Jahren in Peking bejubelt hatten, so sehr zweifelten sie danach auch an seiner wahren Stärke. Weil ihm gemessen an seinem großen Triumph damals einfach nicht mehr viel gelingen wollte. Und wenn sich der 29-Jährige dann doch mal in Richtung Weltspitze zurückgehoben hatte, warf ihn eine Verletzung auch schon wieder zurück. Zuletzt war es die kaputte Quadrizepssehne zwischen Knie und Oberschenkel, die ihn monatelang behinderte. Ob er es überhaupt bis zu Olympia nach London schaffen würde, blieb lange ungewiss. Jetzt aber sagt Matthias Steiner: "Ich bin zufrieden, dass mein Körper so schnell wieder so fit geworden ist. Dass ich in der Kürze der Zeit wieder einen solchen Leistungsstand erreicht habe."

Gut drei Monate lang hat er noch Zeit, an seinem großen Ziel zu basteln: Es sich, aber auch allen anderen zu beweisen. Nämlich, dass sein olympisches Gold nicht nur dem Umstand einer glücklichen Fügung zu verdanken war. Einer Fügung, die aus einem kaum beachteten Gewichtheber mit seiner Geschichte um die verstorbene Ehefrau einen deutschen Sporthelden machte. Matthias Steiner wurde zum Sportler des Jahres gewählt. Und anstelle sich in ollen Trainingshallen zu schinden, stiefelte er nun über rote Teppiche, trat sein neues Liebes- und Familienleben in der Boulevardpresse breit, veröffentlichte seine Biografie und tingelte durch etliche Spiel- und Talkshows im Fernsehen.