Sandhausen könnte demnächst öfters in den lokalen Verkehrsnachrichten auftauchen. So wie die Wilhelma, der famose Stuttgarter Zoo, dem schnell die Parkplätze ausgehen, wenn das Wetter besonders gut ist, oder an Feiertagen. Gutes Wetter, Feiertage und vor allem keine Parkplätze – das kann Sandhausen, das Städtchen im Süden Heidelbergs, jetzt auch bieten.

Der örtliche Fußballverein, der SV Sandhausen ist das erste Mal in seiner 95-jährigen Geschichte in die Zweite Liga aufgestiegen. Allein die Namen der künftigen Gegner löst Euphorie aus. Bald gegen Kaiserslautern zu spielen, erscheint vielen wie ein Traum. 1860 München , Hertha BSC, Bochum und Eintracht Braunschweig , das klingt für Sandhausen wie das Fußball-Paradies. Und nach Verkehrsproblemen.

Ein 14.000-Einwohner-Städtchen steigt in die Zweite Liga auf. Das ist an sich schon ungewöhnlich. Noch bemerkenswerter wird die Sache, wenn man sich in der Nachbarschaft umschaut. Einen Steinwurf vom Hardtwaldstadion entfernt liegt die Zentrale des Softwareunternehmens SAP. Ein Name, zu dem jedem sofort die TSG Hoffenheim und Dietmar Hopp einfällt.

Abgrenzen von Hoffenheim

"Hier ist Platz für zwei Vereine", sagt Sandhausens Clubchef Jürgen Machmeier. Den eigenen Weg zu gehen, haben die Sandhausener jahrelang geübt. Einen Konkurrenzkampf gegen des übermächtige Hoffenheim könnten die Sandhausener sowieso nicht gewinnen. Man lässt sich gegenseitig leben, was nicht immer so war.

2005 wollte der Milliardär Hopp Sandhausen mit Hoffenheim und Walldorf fusionieren, um eine breitere Basis für Profifußball in die Region Rhein-Neckar zu schaffen. In Sandhausen wurden sie misstrauisch und stiegen aus. Man fürchtete, zu einem Farmteam reduziert und von außen fremd bestimmt zu werden. Es sagt keiner laut, aber beim SVS sind sie froh, über die konsequente Entscheidung von damals. Um sich abzugrenzen schuf der Klub den Marketing-Spruch: "Authentisch, glaubwürdig und echt = 100 Prozent Sandhausen".

Heute spricht Machmeier von einem sehr freundschaftlichen Verhältnis. Der in der Region einflussreiche Hopp hat nun sogar angeboten, Sandhausen könne die ersten Zweitligaspiele in der Rhein-Neckar-Arena austragen. In Sandhausen versuchen sie aber alles, um das eigene Stadion rechtzeitig fertigzustellen. Von derzeit 10.200 Plätzen soll die Arena auf vorerst 12.500 aufgestockt werden.