Um es gleich zu sagen: Ich habe nichts dagegen, dass die Borussen Deutscher Meister wurden . Die spielen guten Fußball. Ich habe nur etwas dagegen, dass Schalke es nie wird.

Mein Unwille richtet sich folglich gegen Vereine, die diesen Titelgewinn verhindern. Und auf der Liste all jener, die das jetzt zum 49. Mal geschafft haben, stehen die Bayern ganz vorne – mit großem Abstand vor Dortmund . In dieser Wertung steht es zwischen dem FC Bayern und dem BVB seit Samstag 21:5.

Als Schalke-Fan denkt man an 1972. Damals traf S04 am letzten Spieltag in München auf die Bayern. Schalke hatte nur einen Punkt Rückstand auf den Tabellenführer, verlor aber. Nicht irgendwie, sondern 0:5. Jeder durfte da mal ran, Franz Beckenbauer konnte das 101. Saisontor der Bayern schießen und damit einen neuen Rekord aufstellen. Am Ende hatte Schalke in dem Jahr die meisten Spiele gewonnen und Bayern wurde Meister.

Man denkt an 2001, als Schalke nach dem Abpfiff am letzten Spieltag Meister war, bevor die Bayern in der Nachspielzeit in Hamburg doch noch ein Tor schossen. Der Manager Rudi Assauer wurde spontan zum Atheisten, Bayern Meister und Schalke Meister der Herzen.

Sechsmal war Schalke in der Bundesliga Vizemeister. Viermal davon hinter den Bayern. Das prägt.

Die so häufig zitierte Revierfeindschaft zwischen Gelsenkirchen und Dortmund spielt hingegen, was Antipathien angeht, eine untergeordnete Rolle. Dafür sind sich die Vereine zu ähnlich. Es gibt keine religiösen oder weltanschaulichen Unterschiede zwischen den zwei erfolgreichsten Clubs in Westfalen. Beide zelebrieren ihre Herkunft als Arbeitervereine.

Fußball erfüllte im Revier einst eine wichtige soziale Aufgabe. Über ihren Verein fühlten sich auch die zugewanderten Polen und Ostdeutschen zugehörig. Noch heute werben beide Vereine auffällig offensiv damit, dass sie Herz und Leidenschaft auszeichnen, die Tugenden des Ruhrpotts.

Wenn Dortmunder Fans während eines Bayern-Spiels dem ehemaligen Schalker Manuel Neuer Bananenschalen vor die Füße werfen oder wenn ein Bauarbeiter, der BVB-Fan ist, auf dem Dach des Schalker Stadions eine Dortmund-Fahne hisst, ist das kaum mehr als Folklore. Eine liebgewonnene Frotzelei, wie sie unter Nachbarjungs vorkommt.