Ein Block entfernt von Victoria’s Secret, dem Laden für dünne Damen mit den geheimsten Geheimnissen, stehen zwei Männer auf der Straße und trainieren. Sie ziehen, sie drücken, und dazwischen machen sie Übungen, die komplizierter sind als zeitgenössischer Tanz. Einer ist schwarz und groß wie ein Wolkenkratzer, der andere ist Hispano und viel kleiner. Der Schwarze nennt sich Prophecy, er ist mir sofort sympathisch. Endlich habe ich, der ich immer Prophet werden wollte, wenn ich einmal groß sein würde, meinesgleichen gefunden.

Armdrücken?, frage ich meinen Co-Propheten. Wir machen Armdrücken. Eine Traube Menschen beobachtet unsere Straßenperformance. Sie wollen wissen, wer gewinnt: der Schwarze, der Braune, der Weiße? Aber Prophecy beachtet sie kaum. Alles, was er wissen will, ist: "Wer bist du? Woher kommst du?" Ich weiß nicht, warum er diese Fragen stellt. Sollte ein Prophet solche Dinge nicht herausfinden können?

Ich würde gerne über dich schreiben, erkläre ich ihm.

Prophecy ist begeistert. Er und der Hispano namens Adem haben ein langes Seil, mit dem sie ihre Muskeln trainieren. Ich steige ein. Prophecy packt das Seil an einer Seite, ich an der anderen, und dann ziehen wir beide in entgegengesetzte Richtungen. Ich spüre, wie sich meine Muskeln aufbauen, immer mehr Menschen sehen uns zu.

Prophecy, der bei der Geburt von seiner Mutter den Namen Antwone bekam, erzählt mir, dass er einmal christlicher Rapper war.

Und jetzt nicht mehr?

"Bin ich immer noch."

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Religion und Fitness?

"Ja. Man muss beides draufhaben!"

Wir ziehen fester, uns wird das Klicken der Touristenkameras bewusst.

Was ist das Besondere an dir, Prophecy?

"Ich versuche, die Vorurteile der Leute gegenüber Schwarzen zu zerreißen."

Wie machst du das?

"Ich lächele die Leute an, wenn ich auf der Straße trainiere, ich winke, und sie sagen: 'Der schwarze Mann ist nett. Der schwarze Mann ist glücklich.'"

Werde ich eines Tages so sein können wie du? Ein glücklicher schwarzer Mann?

"Du hast eine hervorragende Mentalität, das ist das wichtigste."

Aber Muskeln! Ich will Muskeln. Wie du!

"Widme zehn Minuten des Tages dem Training, nicht mehr. Beginne wie ein Baby, mit kleinen Schritten. Wenn du das machst, wirst du aussehen wie ich."

Prophecy zeigt mir, wie ich aussehen werde, wenn ich einmal groß bin – und mit Babyschritten beginne. Er macht unglaubliche Liegestütz, manchmal mit beiden Beinen in der Luft. Ich starre den Propheten mit den prallen Muskeln an, ein griechischer Gott in schwarz, und eine Frage kommt mir in den Sinn: Wie sieht die Frau dieses Propheten aus – falls er verheiratet ist?

Bist du verheiratet, Prophecy?

"Nein."

Schwul?

"Nein!"

Aber er würde gerne heiraten. Irgendwann.

Soll deine Frau auch solche Muskeln haben wie du?

"Nein. Eine Frau sollte Muskeltonus haben, das reicht. Eine Frau sollte nicht aussehen wie Arnold Schwarzenegger."

Ich habe keine Ahnung, was "Muskeltonus" ist, also frage ich ihn nach dem Idealbild einer Frau, die er gerne hätte.