Selten war die Handberührung zweier Menschen so gespannt erwartet worden. Im Pressesaal wurde Markus Babbel eilig gefragt, ob er Michael Preetz schon die Hand gegeben hatte. "Da vorne steht er", sagte der Hoffenheimer Trainer, ohne den an der Wand stehenden Hertha-Manager anzuschauen. "Und beim Rausgehen werde ich ihm die Hand geben." Sprach der frühere Berliner Trainer und gab Preetz beim Herausgehen die Hand. Es war nur ein flüchtiger Moment, vor zahlreichen Fotografen, ohne viel Augenkontakt. Danach eilten sie auseinander.

Ein wenig emotionaler Moment für ein derart emotionales Wiedersehen . Babbel ist wieder im Olympiastadion. Zu Gast mit seinem neuen Verein beim alten, mit dem er vor einem Jahr in die Bundesliga aufstieg und vor etwas mehr als vier Monaten – als Lügner geschimpft – entlassen wurde. Über den er vor diesem Spiel öffentlich viel loswerden wollte. Und gegen den er am Ende eine Niederlage einstecken musste.

"Unserer Mannschaft haben die letzten ein, zwei Prozent gefehlt", bestätigte Babbel, dass der Siegeswille seiner Spieler geringer ausgeprägt war als der eigene. Müde wirkte der 39-Jährige, mit Schatten um die Augen, der Trubel der letzten Tage, den er auch selbst mit entfacht hatte, ist nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Auch nach dem Spiel muss er sich schmierige Fragen zu seinem Privatleben anhören. Lächeln kann er nur, als sein Nebenmann Otto Rehhagel ihn fragt, ob er noch wisse, damals, beim FC Bayern, wie sie zusammen in Barcelona gewonnen hätten…

Dabei war zunächst alles wie immer. Babbel hat sich damals wie heute aus dem Hotel Esplanade ins Olympiastadion begeben. Äußerlich scheinbar ungerührt, die Hände in den Hosentaschen, schlendert er zur Trainerbank. "Die Lage im Stadion ist mir ja noch bekannt, ich musste nur etwas früher links zur Kabine abbiegen, sonst war alles normal", sagt er vor dem Spiel den Fernsehreportern.

Unmut im Stadion

Aber doch ist alles anders heute. Als der Stadionsprecher Minuten zuvor den Namen des Gästetrainers nennt, pfeifen die Zuschauer gellend. So laut waren die Unmutsbekundungen der Fans zuletzt nicht einmal gegenüber der eigenen Mannschaft. Babbel nehmen sie offenbar die Umstände seines Abschiedes und/oder die zahlreichen verbalen Störfeuer vor dem Spiel übel.

So ruhig, wie Babbel während der Anfangsphase des Spiels auf der Trainerbank verharrt, ist er nicht. Wer ihn kennt, weiß, dass er während Spielen innerlich brodelt. In diesem hier noch viel mehr.