Wer spielte wie gegen wen?

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Welche Spiele durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Die Romantiker pochen auf das 4:4 Borussia Dortmunds gegen den VfB Stuttgart , an dessen Ende für zwanzig Minuten alle Fesseln gelöst wurden, die die moderne Fußballtaktik dem Spiel normalerweise anlegt. Bezeichnender für die Meisterschaft waren die beiden 1:0-Siege der Dortmunder gegen Bayern München . Der BVB wird ja immer für seine rasanten Sturmläufe gelobt. In diesen Duellen zeigte sich, dass Jürgen Klopp zuerst defensiv denkt. Die Bayern verliefen und verfingen sich in beiden Spielen immer wieder im Dortmunder Dickicht, schossen erst gegen Ende aufs und übers Tor. Im Hinspiel warteten die Dortmunder geduldig auf ihre Chance. Im Rückspiel auch, aber nur, weil sie trotz Überlegenheit zu Beginn das Tor nicht trafen. Beides waren knappe Spiele, verdiente Siege. Der BVB gewann, weil er einen Plan B hatte. Die Bundesliga hat 2011/12 einen gerechten Ausgang gefunden: einen ganz starken Meister und einen sehr guten Vizemeister.

Welche Spiele konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Die von Bayern München, zumindest ab der 15. Minute. Meist lagen sie da schon in Führung, und es blieb nur noch die Frage, ob sie bei ihrem Sieg vier Tore schießen (wie gegen Hertha, Nürnberg und Bremen ) fünf (HSV), sechs (Hertha) oder sieben (Freiburg, Hoffenheim). Und ob Gomez einen Doppel- oder Dreierpack schnürt. Auf der anderen Seite ist es den Bayern nur zwei Mal geglückt, einen Rückstand in einen Sieg zu drehen: im Dezember gegen zehn Stuttgarter und kürzlich beim Spiel in Bremen, das nur den Zweck hatte, Bastian Schweinsteiger für das Champions-League-Rückspiel in Madrid fit zu kriegen. Punkte- und Tore-mäßig mögen sie überzeugt haben, dramaturgisch waren die Bayern in der Liga ein Langweiler.

Wer stand im Blickpunkt?

  • Lucien Favre , weil er allen vor Augen führte, dass auch im Fußball ein Kauz ein Künstler sein kann.
  • Christian Streich, weil er zeigte, dass Fußball ein Trainersport ist und weil er den Kamm aus der Mode brachte.
  • Jos Luhukay, weil er mit dem Augsburger Kollektiv die Sensation des Jahres, den Klassenerhalt, schaffte und das bisschen Trotz, das ihm trotz seiner zurückhaltenden Art bleibt, in einem Oberlippenbart versteckt.
  • Otto Rehhagel, weil er zeusgleich bewiesen hat, dass auch Götter irdisch sein können.
  • Michael Skibbe, weil er zum zweiten Mal die Platte auflegte: "Mit mir wären wir nicht abgestiegen." Ohne dass ihm jemand zuhörte.
  • Michael Preetz , weil es nicht auszuschließen ist, dass er, wenn man ihn lässt, bald Peter Neururer auf die Trainerbank setzen wird.
  • Lukas Podolski , weil er zumindest phasenweise eine Schoppenelf auf Bundesliga-Niveau hob.
  • David Alaba, weil mit ihm in München plötzlich (fast) alles rund lief.
  • Se ñ or Raúl, weil er auch im zweiten Jahr den Kanarienvogel in der Gelsenkirchener Kohlemine gab.
  • Die verrückten Schalke-Fans, weil sie ihrem Se ñ or nach nur zwei Jahren einen tausendtränentiefen Abschied bereiteten, zu dem sein unterkühlter Heimatverein Real Madrid nicht fähig gewesen war.
  • Christian Seifert, weil er mit ausgeklügelter Strategie Murdochs Managern Millionen mopste und dafür sorgte, dass sich die Spieler und ihre Berater noch mehr Asche in die Taschen stecken die Bundesligavereine europäisch konkurrenzfähiger werden.
  • St å le Solbakken, weil er mehr als fünf Dutzend Gegentore mit Humor ertrug und mit drolligem skandinavischen Akzent von neuen Verteidigungsstrategien sprach.
  • Frank Arnesen, weil er Chelsea die Reservespieler nahm, die dem Club nun gegen Bayern wegen der vielen Sperren fehlen werden, und mit drolligem skandinavischen Akzent von den europäischen Ambitionen des HSV sprach.

Worüber reden nach der Saison alle?

Diese Saison ist der Beginn einer Epoche: Die Bundesliga wird spanisch. In den nächsten Jahren wird die deutsche Meisterschaft hauptsächlich im Zweikampf zwischen Borussia und Bayern verhandelt – ähnlich wie in der Primera Division, in der Real Madrid und der FC Barcelona dominieren. Es wird ein Wettbewerb mit unterschiedlichen Voraussetzungen : Bayern kann es sich leisten, fertige Topspieler zu kaufen. Die Borussia ist wegen des wirtschaftlichen Rückstands darauf angewiesen, Diamanten zu schleifen. Ihr gelingt es wieder nicht, das komplette Team zu halten. Lucas Barrios geht nach China, Shinji Kagawa vielleicht nach England, Robert Lewandowski weigert sich bislang, seinen Vertrag zu verlängern. Die Bayern hingegen füllen ihren Geldspeicher durch den Finaleinzug in der Champions League weiter auf. Arjen Robben bleibt ein Bayer, hinzu kommt sicher wieder ein Neuer, oder zwei oder drei. Und vielleicht wird Uli Hoeneß ja auch bald Jürgen Klopp mit seinen Argumenten überzeugt haben, die er sich vom Generaldirektor Heinrich Haffenloher abgeschaut hat:

Was machten die Frauen?

Im Jahr nach der Weltmeisterschaft daheim stieg der Zuschauerschnitt zwar von 833 auf 989, doch das ist weniger als erhofft. Nur die großen Vereine Frankfurt, Potsdam und Duisburg verzeichnen einen merklichen Zuwachs. Beim Spiel Hamburg gegen Jena kamen nur 165 Menschen – Bundesliga-Minusrekord. Da zählt die Kreisligatruppe FC Alsterbrüder schon mal mehr Leute am Sportplatz. Der WM-Boom blieb also aus. Und dann ist den Frauen auch noch Theo Zwanziger abhanden gekommen .