Wenn der FC Bayern am Samstagabend im Champions-League-Finale auf den FC Chelsea London trifft (live im ZEIT-ONLINE-Blog und auf Twitter ), ist das mehr als nur das sportliche Duell zweier Mannschaften. Es geht auch darum, wer Recht hat: Uli Hoeneß oder Roman Abramowitsch? Der FC Bayern, der immer darauf achtet, dass neben dem sportlichen Erfolg auch die Zahlen stimmen? Oder der FC Chelsea, dessen steinreicher Eigentümer es sich leisten kann, jährlich zig Millionen Pfund in seinem Klub zu versenken, weil er ihn als Spielzeug begreift?

Bayern und Chelsea besetzen die beiden fußballkulturellen Enden in Europas Spitze. Hier deutscher Mittelstand, dort russische Oligarchie, hier soziale Marktwirtschaft, dort Neoliberalismus, hier ein Metzgerssohn, dort ein Ölmilliardär. Hier Uli Hoeneß, der Bayern-Präsident, dort Roman Abramowitsch, Chelseas Mäzen. Wir haben die Prinzipien der beiden Bosse, die Personen dahinter und ihre Träume gegenübergestellt:

Das Prinzip Uli Hoeneß:

In den mehr als dreißig Jahren als Manager schaffte es Uli Hoeneß, den FC Bayern München zum sportlichen und wirtschaftlichen Maß aller Dinge im Fußballland zu machen. 1979, als Hoeneß übernahm, machte der FC Bayern zwölf Millionen Mark Umsatz und hatte sieben Millionen Mark Schulden. In diesem Jahr soll die 350-Millioen-Euro-Umsatzgrenze geknackt werden, der Gewinn lag in der vergangenen Saison bei 1,3 Millionen Euro.

Legendär ist das Festgeldkonto der Bayern. Auf der Jahreshauptversammlung im November 2011 erklärte der Verein, über freie Liquidität in Höhe von 129,1 Millionen Euro zu verfügen. Die kamen zusammen, weil sich Hoeneß an die Kaufmannsregel seiner Eltern erinnerte, die eine Metzgerei führten: bloß keine Schulden. Nie mehr ausgeben als man einnimmt. Hoeneß drehte zunächst vor allem an der Einnahmenseite. Er schaffte es, den sportlich guten Ruf, den sich die Bayern durch die Erfolge in den Siebzigern erspielt hatten, zu versilbern. Weil er einer der ersten Sportmanager war, der das Wort Merchandising fehlerfrei aussprechen konnte. Die paar Wimpel und Anstecknadeln, die sein Verein damals an die Fans verkaufte, waren ihm zu wenig. Dieses Geschäft war ein wichtiger Bestandteil beim Aufbau des modernen FC Bayern. Heute setzt der Verein jährlich etwa 40 Millionen Euro mit Trikots, Bettwäsche und Toastern um. Mit diesem Geld kauft der FC Bayern regelmäßig gut ein, kann bei Transfers mittlerweile mit den großen, schwer überschuldeten Clubs aus England , Spanien , Italien mithalten. Ein Champions-League-Sieg der Bayern wäre daher, allen Skeptikern zum Trotz, auch ein Sieg der deutschen 50+1-Regel , des Modells des mitgliedergeführten Vereins.

Das Prinzip Roman Abramowitsch:

Etwas anders ging Roman Abramowitsch die Sache an. Organisches Wachstum? Nö! Der russische Milliardär ist das Symbol des Fußballmäzenatentums, für viele Fans ein rotes Tuch. Für ihn gibt es nichts, was sich nicht kaufen lässt. Auch sportlicher Erfolg, Ruhm und Ehre sind demnach nur eine Frage des Preises. Abramowitsch wollte sein Geld unbedingt in einen europäischen Fußballverein stecken, weil er sein Geld außer Landes bringen wollte. Er dachte über einen Klub in Italien nach, und über einige in England, der Liga mit der international größten Strahlkraft. Der Legende nach fiel ihm auf dem Rückweg von einem Vorstellungstermin bei Manchester United aus seinem Helikopter heraus das Stadion des FC Chelsea auf. Also entschied sich Abramowitsch für Chelsea. Der Londoner Traditionsverein war im Jahr 2003 hoch verschuldet, ein Schnäppchen also. Abramowitsch kaufte fast alle Aktien des Westlondoner Klubs und begann, Geld in den Verein zu pumpen. Eine neue Tradition, wenn man so will.

Ob sich sein Investment lohnt, ist dem Geschäftsmann ausnahmsweise mal egal. Er hält sich den Verein schlicht aus Spaß. Mehr als eine Milliarde Euro soll Abramowitsch seit der Übernahme überwiesen haben. Er verpflichtete teure Spieler und noch teurere Trainer. In den vergangenen beiden Geschäftsjahren machte Chelsea über 80 Millionen Euro Miese. Doch der ultimative Erfolg war bislang nicht käuflich: Mit dem Champions-League-Titel hat es noch nicht geklappt, immerhin mit drei nationalen Meistertiteln.