16 Mannschaften treten bei der Fußball-Europameisterschaft an. Für jede hat ein Redakteur oder Autor von ZEIT ONLINE die Patenschaft übernommen. Unsere EM-Paten begleiten ihr Team durchs Turnier und schreiben persönliche Spielberichte. Vor dem Anpfiff haben sie ihre Jungs porträtiert.

Hauptsache Oranje: Die niederländischen Fans © Toussaint Kluiters/United Photos/Reuters

Niederlande

Ist das jetzt ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Sagenhafte 36 Spieler berief der niederländische Trainer van Marwijk in sein erstes EM-Aufgebot, darunter fünf Torhüter. Kann der nette Bert sich nicht entscheiden, oder hat er wirklich so viele gute Leute? Außer Giovanni van Bronckhorst, der schon bei der WM 2010 immer nur den Seniorenteller bestellte, sind noch alle Vizeweltmeister von Südafrika dabei. Und dass die in zwei Jahren das Fußballspielen verlernt haben sollten, ist auch nach dem 0:3-Debakel gegen die Deutschen im November 2011 nicht anzunehmen.

Im Gegenteil: Klaas-Jan Huntelaar hat ein Jahr lang deutsche Verteidiger in Angst und Schrecken versetzt, und sollte die Elftal sich trauen, mal mit zwei statt immer nur mit einem Stürmer anzugreifen, würde neben dem "Hunter" auch Robin van Persie auflaufen, Spieler des Jahres in England und Torschützenkönig der Premier League. Sollte sich darüber hinaus kein neues schwarzes Loch im Bein von Arjen Robben auftun, ist die niederländische Abteilung Attacke wieder absolut titelreif, zumal dahinter mit Rafael van der Vaart und Wesley Sneijder zwei weitere Künstler im besten Mannesalter am Werke sind.

Bleibt nur die alte Frage, wer in dieser Zaubertruppe eigentlich den Müll rausbringt. Das wird wohl auch diesmal wieder Mark van Bommel sein, der bei seinem letzten großen Turnier allerdings unter Vorlage seines Rentnerausweises die Gegenspieler um halbes Tempo wird bitten müssen. Auch sonst bietet die Defensive vertraute, aber nur bedingt wohlklingende Namen wie Joris Mathijsen , der schon vor Längerem aus Hamburgs Kälte in die Sonne Malagas wechselte. Er sollte für die alten Gebeine auf Ostreise besser eine Heizdecke mitnehmen.

Aber wenn Oranje es – anders als im WM-Finale gegen Spanien – mal durchgängig mit Spielen und nicht mit Kung-Fu versucht, dürfte selbst die sogenannte Todesgruppe B kein Problem sein. Dänemark wurde schon in Südafrika 2:0 geschlagen. Portugal ist, wenn der Götterliebling Ronaldo nach zwei Van-Bommel-Grätschen Angst um die Frisur bekommt, auch kein Problem. Dazwischen einigt man sich mit den Deutschen auf ein Unentschieden und marschiert auf getrennten Wegen zu einem gemeinsamen Finale in Kiew .

Christof Siemes