Sechs Runden sind bei der Moskauer Schachweltmeisterschaft gespielt, sechsmal unentschieden, es steht 3:3. Kann man aus einem so gleichförmigen, ja eintönigen Verlauf Schlüsse für den weiteren Fortgang ziehen?

Nun, man kann es versuchen. Etwas Wagemut gehört dazu, und später lässt sich überprüfen, ob es so oder anders gekommen ist und warum.

Fassen wir den Gang der Dinge kurz zusammen: Viswananthan Anand, 42, ist der seit 2007 amtierende Schachweltmeister, der seinen Titel in den Jahren zuvor nicht nur zäh erkämpft hatte, sondern ihn auch zweimal, 2008 in Bonn und 2010 in Sofia , überzeugend verteidigte. Allerdings hat er als Weltmeister das sonstige internationale Turniergeschehen nicht dominiert, wie es sein Vorvorgänger Garri Kasparow tat, der sich jetzt bei jeder Gelegenheit damit brüstet.

Anand steht zurzeit sogar nur an Platz 4 der Weltrangliste , die in Schachkreisen allerdings mehr und mehr zu einem Fetisch wird, weshalb daran zu erinnern ist: Die Nummer 1 der Weltrangliste, momentan der junge Norweger Magnus Carlsen , ist nicht automatisch Weltmeister. Das war nie so, und das wird hoffentlich auch nie so sein, weil eine solche Regel mit der einzigartigen 126-jährigen Tradition der Titelkämpfe bräche und nur neues Ungemach hervorriefe.

Boris Gelfand, 43, ist der einzig legitimierte Herausforderer des Weltmeisters. Zwar steht er derzeit nur auf Platz 20 der Weltrangliste, aber anders als alle vor ihm auf der Liste hat er an den vorgeschriebenen Qualifikationen erstens teilgenommen und sie zweitens auch gewonnen. Carlsen machte nicht mit, und der in Berlin lebende Armenier Levon Aronian, derzeit Nummer 2 der Weltrangliste, schied unterwegs aus.

Durch schlichte Ranglistenbetrachtung gelangten Teile der Schachwelt dann zu der skurrilen Überzeugung, das Match sei zum einen nicht relevant und zum anderen in seinem Ausgang ohnehin klar.