"Wir haben viele einfache, individuelle Fehler gemacht, das darf nicht passieren. Aber zu hoch sollte man das Spiel nicht hängen", sagte Sami Khedira . Auch Mats Hummels bildete sich eine Meinung. "Das waren alles individuelle Fehler. Jedes Mal hat irgendjemand eine falsche Entscheidung getroffen, das wurde bestraft", sagte er. "Wir haben kein systematisches Problem." Da könnten Khedira und Hummels aber irren.

Das Problem dieses Spiels war, dass Löw schlicht zu viel ausprobierte. Nicht nur die Abwehr, in der Per Mertesacker rund um 1956 sein letztes Pflichtspiel absolvierte, war nicht eingespielt. Auch das Vorhaben, Mario Götze auf der Sechserposition auszuprobieren, scheiterte krachend. Das Dortmunder Wunderkind war lange verletzt und musste dann dort ran, wo er nicht hingehört. Er ließ den Gegnern in der Defensive zu viel Platz und rückte bei Ballbesitz zu zögerlich in die offensivere Position, um seine Stärken, die kleinen kurzen Dribblings, die Pässe mit der Pike auszuspielen.

Klose vom Spiel abgeschnitten

So fehlte dem deutschen Offensivspiel ein wichtiger Verbindungsmann, weshalb sich auch Özil und Podolski entschlossen, etwas ruhiger zu machen. Schürrle war bemüht, Klose vom Spiel so abgeschnitten, dass er nur bei den Wiederanstößen nach den Gegentreffern mal den Ball hatte.

Mit den eingewechselten Gündogan , Reus und dem jungen Debütanten Julian Draxler für Khedira, Özil und Podolski lief es in der zweiten Halbzeit etwas besser. Die Kombinationen wurden flüssiger. Als dann aber auch noch die Bender-Zwillinge und Cacau ins Spiel kamen, wusste wieder niemand mehr, wo vorne oder hinten ist. Nationalmannschaftsverschwörungstheoretiker glauben, Löw schickt in den Tests stets absichtlich eine extrem uneingespielte Elf aufs Feld, die dann so schlecht aussieht, dass sich Diskussionen über seine Stammelf von selbst erledigen.

Zu Löws Erleichterung stoßen jetzt die Bayern-Spieler zum Team. Sie waren so etwas wie die Gewinner des Testspiels. Einfach nur, weil sie nicht dabei waren. Mindestens fünf von ihnen, Neuer, Lahm, Badstuber, Schweinsteiger und Müller werden es wohl in die EM-Stammelf schaffen – eine halbe Mannschaft. Auch Boateng und Gomez, selbst Kroos gegen sehr defensive Gegner, dürfen hoffen. Nach diesem Spiel mehr denn je.

Aus ihrem Champions-League-Loch müssen die Münchner allerdings alleine herauskrabbeln. Die Männer vom Dortmunder Block, die nach ihren schwarz-gelben Erfolgen bis zum Samstag im siebten Fußballhimmel schwebten und denen man daher die Psychologen-Rolle zugetraut hatte, brauchen nun ihrerseits Aufbauarbeit.

Viel Zeit ist nicht mehr, in zwei Wochen geht es los. Es ist noch viel zu tun, weshalb schon im Vorfeld kleine Schmankerl gestrichen werden könnten. "Jetzt gilt es, am Sonntag noch einmal all diese Dinge ablaufen zu lassen und noch mal anzuschauen", sagte Löw, obwohl die Mannschaft an diesem Tag eigentlich das Formel-1-Rennen in Monte Carlo besuchen sollte. Der klassenfahrtähnliche Ausflug, so heißt es, steht nun zur Debatte. Die Spieler finden es nicht schlimm. Mats Hummel sagte: "Ich spiele jedenfalls lieber Fußball als Formel 1 zu gucken." Dumm ist er ja nicht, der Mats.