Wenn man superreich ist und jederzeit jemanden zur Hand hat, der alles für einen macht… geht man dann jemals ins Fitness-Studio?
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich sitze hier in New York , rauche eine Zigarette und diese Frage lastet schwer auf mir. Also entschließe ich mich dazu, sie zu untersuchen, mit aller gebotenen Ernsthaftigkeit. Und fliege zu den Reichen.

Willkommen auf der Canyon Ranch, dem Gesundheits-Mekka in der Wüste für Amerikaner mit tiefen Taschen in Tucson, Arizona . Als ich die Anlage betrete, bittet mich ein gutaussehender Herr am Empfang, einige Papiere zu unterschreiben, in denen ich erkläre mich an die Regeln des Hauses zu halten. Beispielsweise darf ich nicht mein Handy benutzen, es sei denn, ich befinde mich in meinem Zimmer oder eigens ausgewiesenen Bereichen. Das Rauchen ist natürlich auch nur in ausgewiesenen Bereichen erlaubt. Diese liegen zufälligerweise am Rand der Ranch. Folgsam unterschreibe ich. Er überreicht mir den "Twaker". Das steht für "This Week at Canyon Ranch" und ist eine nett gemachte Broschüre, die das Angebot der Ranch erklärt: Training, Übungen, Kurse, Programme, Spezialbehandlungen und alles dazwischen.

Ich laufe zum Raucherbereich, wo ich Heather treffe. Die Canyon Ranch habe ein exzellentes Sieben-Tage-Programm, in dem Leuten wie ihr das Rauchen abgewöhnt werde. "Ich habe nur eine Packung für meinen gesamten Aufenthalt hier mitgenommen", sagt sie. "Zwei Zigaretten pro Tag."

Nach dem Rauchen treffe ich Sandy.

Was soll ich tun?, frage ich sie.

"Watsu."

Was?

"Du wirst dich fühlen wie ein Fötus im Mutterleib. Watsu." Sandy ist im Himmel. Watsu hat ihr das Leben geschenkt.

Ist Watsu eine Übung?

"Mach es. Mach Watsu."

Trainieren die Leute hier nun oder begeben sie sich nur zurück in den Leib ihrer Mama? Ich überprüfe meinen Twaker.

Die "Vogelwanderung" soll jeden Moment beginnen. Ich habe noch nie eine Vogelwanderung unternommen, noch den Drang dazu verspürt. Aber die Leute hier sind mächtig aufgeregt.

Die Wohlhabenden, denke ich mir, wollen fliegen, Käfer in Baumkronen essen und zurück in den Mutterleib. Ich schließe mich ihnen an.

Während die Reichen um mich herum ihre Ferngläser schwenken, schaue ich in die Umgebung: Kakteen. Ich sehe sie, wohin auch immer ich gucke. Groß, stolz, scharfkantig, immer aufgerichtet. Kurz: wunderbare Schönheit.

Wir laufen, laufen und laufen. Die Vögel am Himmel fliegen, die Kakteen unter ihnen wollen nicht enden, und ich sehe Heather wieder, rauchend.

Ist das deine zweite Zigarette des Tages, deine letzte?

"Meine achte!" Sie nimmt einen langen Zug, genüsslich saugt sie Teer und Nikotin ein. "Morgen habe ich eine Behandlung. Danach gibt‘s keine Zigaretten mehr."

Die Ranch kostet übrigens ein Vermögen. 1.000 Dollar pro Tag, manchmal mehr. Heathers Versuch, das Rauchen aufzugeben, wird sie 7.000 Dollar kosten. Nicht schlecht.

Vielleicht sollte ich auch aufhören zu rauchen. Ich werde in den Mutterleib zurückkehren. Sobald ich wieder rauskomme, werde ich Nichtraucher sein. Gute Idee? Jawoll, großartig! Ich gehe zum Watsu. Zwischen drei wunderschönen Swimmingpools an einem großen dunklen Ort mit gedimmten pastellfarbenen Lichtern wartet Susan auf mich, die Watsu-Lady, und begrüßt mich mit einem liebenswürdigen Lächeln.

Wir sind im Schwimmzentrum, und das ganze Ding gehört mir! Ich klettere in einen der Pools.

An der Decke: naive Malerei. Ein süßer Bär, putzige Pferde, kleine Menschen und mehr. Susan befestigt Schwimm-Hilfsgeräte an Schlüsselpartien meines Körpers – ein "Halsband" für den Nacken, eine "Nudel" für die Beine – und dirigiert mich, eine Hand unter meinem Rücken, direkt unter den Bären. Zu beruhigender Hintergrundmusik streichelt mich Susan, massiert, streichelt wieder und massiert erneut. Ab und zu dreht sie mich herum, ganz spielerisch, bis ich mich fühle wie ein Baby in einer Krippe. Viel besser als ein Fötus im Mutterleib, denke ich.

Sie flüstert mir ins Ohr, dass ich ihr vertrauen soll, dass sie auf mich aufpassen wird und dafür sorgen, dass ich niemals ertrinke oder mich verletze.

Ich vertraue ihr.