Mesut Özil ist nicht als großer Redner bekannt. Und er schaut auch nach Galaabenden immer etwas melancholisch drein. Dieses Mal aber rannte er besonders schnell an den Journalisten vorbei, die nach dem Sieg gegen Dänemark ein Statement von ihm wollten. Seine Schultern schienen noch ein kleines Stück tiefer zu hängen als gewöhnlich, seine Augenlider auch. 

Er hatte wohl Szenen wie jene, Mitte der zweiten Halbzeit, im Kopf, als er den Ball in der Nähe des dänischen Strafraums spazieren führte. Den Kopf erhoben, suchte er nach einem Mitspieler, der in den Strafraum oder auf den Flügel spurtet. Doch er fand keine Anspielstation, und so kickte er den Ball frustriert zu Sami Khedira zurück. Der Ball blieb in der eigenen Reihe, das Tempo des Angriffs aber ging verloren.

Man sah so etwas häufig im letzten Vorrundenspiel gegen Dänemark. Die deutsche Elf dominierte zwar neunzig Minuten, schaffte es sehr oft, in die Zonen zu gelangen, wo Tore vorbereitet werden. Doch auf den letzten Metern fehlte der Löw-Elf das Feintuning, um gegen einen sehr defensiven Gegner höher und nervenschonender zu gewinnen. 

Vor allem blieb es am bedauernswerten Özil hängen. Trotz vorsintflutartiger Manndeckung durch den Dänen William Kvist war Özil erneut schwerer vom Ball zu trennen als eine Glucke von ihren Küken. Der Spielmacher war sehr aktiv, bot sich stets und in wechselnden Positionen an, etwa häufiger als sonst auf dem linken Flügel. "Mesut war gut im Spiel und sehr fleißig", sagte Joachim Löw nach dem Spiel. Aber der Pass in die Tiefe, eine von Özils großen Stärken, kam nicht an. Meist versuchte er ihn gar nicht.

Die deutsche Mannschaft schließt die schwere Vorrundengruppe B zwar mit neun Punkten ab. Doch zum dritten Mal wirkte ihr Spiel unfertig, mit leichten Makeln versehen. Der deutsche Kombinationsfußball stockte. Dabei hatte man sich vor dem Turnier so darauf gefreut. Bislang ist er allenfalls halbvollendet zu bestaunen. Bezeichnend, dass ein Fehlpass das Siegtor hervorbrachte. Özils Vorlage auf Miroslav Klose geriet zu lang, doch der rechte Verteidiger Lars Bender , den Löw auf eine neue Position und zum ersten Mal in die Startelf berief, war mitgelaufen und schob ruhig ein. Eine mutige Entscheidung Löws ging wieder mal auf.