ZEIT ONLINE : Herr Flick , Sie sind seit sechs Jahren Co-Trainer der deutschen Elf, zuvor waren Sie in Hoffenheim fünf Jahre Cheftrainer. Können Sie sich irgendwann wieder mehr vorstellen?

Hans-Dieter Flick : Grundsätzlich kann ich mir vieles vorstellen. Aber ich habe eine tolle Aufgabe, mein Vertrag läuft bis 2014. Wir haben gemeinsam eine junge Mannschaft aufgebaut, deren Entwicklung noch nicht am Ende ist.

ZEIT ONLINE : Wie sind Sie innerhalb des Trainerteams an Entscheidungen beteiligt?

Flick : Ich kann selbstständig arbeiten, spüre Wertschätzung und trage Verantwortung, etwa in der Turnier- und Spielvorbereitung. Ich arbeite Joachim Löw gerne zu. Als ehemaliger Cheftrainer weiß ich, was ein Trainer von seinem Assistenten erwartet. Wir sind ein gutes Team, aber die Entscheidungen trifft der Cheftrainer.

ZEIT ONLINE : Gefällt Ihnen Ihre Rolle vielleicht auch, weil Sie gerade nicht auf der Vorderbühne stehen wollen?

Flick : Das kann ich auf jeden Fall bestätigen. Joachim Löw kann nicht mal im Ausland unerkannt sein, weil irgendjemand, der ihn sieht, das twittert oder ein Leserfoto an die Zeitung schickt. Das wäre mir zu viel. Im Verein könnte ich mir irgendwann wieder einen Trainerposten vorstellen.

ZEIT ONLINE : Sie wurden für Ihren "Stahlhelm"-Satz sehr kritisiert.

Flick : In der besonderen Situation hier in Danzig hätte mir das nicht passieren dürfen, deswegen habe ich mich dafür entschuldigt. Wenn man in der Öffentlichkeit steht, muss man wissen, dass das ein sensibles Thema ist.

ZEIT ONLINE : Gibt es etwas, das Löw besser kann als Sie?

Flick : Gibt es immer, sicher auch umgekehrt.

ZEIT ONLINE : Wenn Sie im Training eingreifen, wertet das Löw als Angriff auf seine Autorität?

Flick : Nein, so ist das nicht bei uns. Joachim und ich geben uns immer Rückendeckung. Intern sind wir schon auch mal anderer Meinung, nach außen nie.

ZEIT ONLINE : Sind Sie mit ihm einer Meinung, dass das Spiel ohne Ball, eigentlich eine Stärke des deutschen Teams, bei diesem Turnier noch hakt?

Flick : Ja. In manchen Situationen fehlt es bei unseren Angriffen im Detail.

ZEIT ONLINE : Nämlich?

Flick : Wir machen im Timing noch einiges falsch, gelegentlich laufen wir uns zu früh frei. Etwa gegen Dänemark hat die Abstimmung nicht so gepasst, wie wir uns das wünschen. Bei manchen Angriffen koordinieren ja drei, vier oder fünf Spieler, die sich anbieten oder Räume schaffen, ihre Wege. Das können wir besser, als wir es zuletzt gemacht haben. Zudem habe ich hier und da das Investieren in Laufwege vermisst. Solche Läufe, die ein oder zwei Gegner binden und Raum für einen Mitspieler öffnen.

ZEIT ONLINE : Verschiedene Abwehrspieler reagieren verschieden auf Lauftäuschungen, Außen- anders als Innenverteidiger – und die auch wieder verschieden. Wer in dieser EM verteidigt denn wie?

Flick : Die spanischen Verteidiger machen das überragend, auch die Kroaten haben mir gut gefallen – und das mit einem Zweitligaspieler in der Abwehrzentrale. Sie waren wach, auf alles vorbereitet und haben sich von den Spaniern nicht rauslocken lassen. Die Holländer verteidigten anders, da gingen die Abwehrspieler mit den Stürmern mit, ohne dass sie den Ball erhalten konnten. Dadurch entstand viel Raum, und den muss man nutzen, um zum Abschluss zu kommen.

ZEIT ONLINE : Das ist ja gelungen. Was macht man denn gegen eine Mannschaft, deren Abwehrspieler eher die Positionen halten?