Kurz vor dem Anpfiff standen Tausende Polen im Danziger Stadion auf und skandierten wie so oft in diesen Tagen "Polska bialo czerwoni", Polen weiß-rot. Nur kurz rückten sie sich in den Vordergrund, bevor sie in ihrer Rolle als Gastgeber aufgingen. Ihre neue heimliche Nationalhymne sollten sie nur noch ein Mal in dieser Nacht singen.

Achtzig Spielminuten später spendeten sie einem Spieler bei seiner Auswechslung großen Applaus: Miroslav Klose , dem gebürtigen Schlesier. Klose ist in seiner ersten Heimat umstritten, weil seit Jahren ein paar distanzierende Sätze seines Vaters gegenüber Polen kursieren. Im vergangenen Herbst war der Stürmer am selben Ort in einem Testspiel ausgepfiffen worden. Gestern spürten die Polska-Fans, dass ein Mann den Platz verließ, der viel zu einem unterhaltsamen und bemerkenswerten Spiel beitrug.

Klose war neben André Schürrle und Marco Reus einer von drei neuen Spielern, die Joachim Löw überraschend in die Startelf berief . Zuletzt war dem Bundestrainer vorgeworfen worden, trotz spielerischer Mängel an seiner Stammelf festzuhalten. Das Trainerteam selbst war nur mit den Ergebnissen glücklich. "Heute war der Tag der Veränderungen", sagte Löw nach dem Einzug ins Halbfinale. Diesen Plan habe er schon länger in seinem Kopf herumgetragen, trotz drei Siegen gegen drei große Gegner. Gegen die stur verteidigenden Griechen brauche er andere Spielertypen, die unberechenbar zwischen den Linien herumflitzen.

Schneller Kombinationsfußball

Wie sie flitzten, wie lebendig die Mannschaft spielen sollte , war schon in den ersten Minuten zu sehen. Da stellte sie sich kurz schlafend, wenn die Griechen den Ball im Zentrum führten, lockten sie auf den Flügel und fielen über sie her. Sofort tauchten Klose und Reus gefährlich in Tornähe auf. Es war ein Startsignal an den Gegner und an sich: Den Beton der Griechen können wir zerbröseln. "Wir haben die Griechen mit vielem überfordert", sagte Löw auf der Pressekonferenz ähnlich offensiv und lobte die "sehr, sehr gute Spielanlage".

Immer wieder schlüpften die deutschen Angreifer zwischen die beiden griechischen Abwehrreihen, immer wieder kombinierten sie mit drei bis vier Spielern in den Strafraum. Die deutsche Mannschaft ließ den Ball und Gegner laufen. Ständig rotierten die drei Neuen mit Mesut Özil in alle möglichen Positionen und Halbpositionen, Sami Khedira stieß nach. So entfachten die Deutschen Gefahr aus allen Zonen. In der Mitte der ersten Halbzeit kam die Mannschaft durch ihre schnellen Kombinationen innerhalb von zwei Minuten zu drei Torchancen. Viel offensiver kann kein Spiel ausgerichtet sein, viel stürmischer kann man kaum Fußball spielen.