Am Ende zahlten sich zwei strittige Personalien in der Abwehr aus: Jerome Boateng , der vor einer Woche den Zapfenstreich verpasst hatte und sich den Ärger des Trainers zuzog, konnte gegen Cristiano Ronaldo viele wichtige Zweikämpfe gewinnen. Und Mats Hummels , dessen Einsatz lange infrage stand, war Deutschlands bester Spieler. Am Anfang spielte er so vorsichtig, als wollte er auf alle Fälle vermeiden, wieder zur Diskussion gestellt zu werden. Später legte er seine Schüchternheit ab und stieß ein paar Mal druckvoll in die gegnerische Hälfte vor. Vor allem gewann Hummels alle wichtigen Duelle im und am eigenen Strafraum.

Ein befreiendes Ergebnis

Löw gab sich am Ende trotz allem zufrieden. "Eine EM", sagte er, "ist ein Formel-1-Rennen ohne Warm-Up-Runde." Und es gibt sicher schlechtere Auftakte in ein Turnier als ein Sieg gegen Portugal .

Vielleicht hat dieses Spiel sogar eine befreiende Wirkung. Löws Elf steht im Ruf, manche sagen im Verruf, der Schönspielerei. Dass das eine Last sein kann, konnte man aus Podolskis Aussage nach dem Spiel entnehmen: "Viele wollen immer diesen Spaßfußball, daran werden wir jetzt gemessen." Diesen Verdacht konnte seine Mannschaft mit dem 1:0 gegen Portugal fürs Erste ausräumen.

Nicht mal für das Siegtor, ein Kopfball nach einer abgefälschten Flanke, gibt es ein "Sehr gut" in der B-Note. Dafür aber ein Lob für die Effektivität. Es spricht umso mehr für Gomez' Coolness, dass er kurz vor seinem großen Moment sah, dass Klose bereit stand und er bei der nächsten Unterbrechung raus sollte. "Eine Chance, ein Tor, was will man mehr von einem Stürmer?", fragte Löw.

Es war wohl eine rhetorische Frage. Wer Löws Stürmerideal kennt, weiß, dass er mehr will. Mit Klose dürfte das Spiel flüssiger werden, schöner. Doch auch genauso erfolgreich? Wird Löw den Siegtorschützen des Auftaktspiels in der nächsten Begegnung auf die Bank setzen? Noch einmal wird sich Löw nicht auf polnische Hilfe verlassen können.