ZEIT ONLINE: Herr Drachuk, haben Sie heute Nacht von Andrej Schewtschenko geträumt?

Oleksandr Drachuk: Ja, er hat ein hervorragendes Spiel gemacht, sein Bestes seit Jahren!

ZEIT ONLINE: Wie haben Sie den Überraschungssieg der Ukraine über Schweden gefeiert?

Drachuk: Wir haben ein deutsches Bier auf Schewtschenko getrunken. Na gut, vielleicht auch zwei.

ZEIT ONLINE: Sie sind gerade zu Promo-Zwecken auf Deutschlandtour. Sind Sie ein bisschen traurig, gerade jetzt nicht zu Hause zu sein?

Drachuk: Ein bisschen vielleicht, aber wir haben hier so viel Interessantes zu tun, deshalb ist es nicht so schlimm. Vielleicht sind wir sogar ein kleines bisschen Botschafter für die Ukraine, wer weiß?

ZEIT ONLINE: Sie wurden durch das YouTube-Video einer Polka-Version von Hot 'n' Cold entdeckt. Es wurde von Katy Perry persönlich gelobt und lief im US-Fernsehen. Danach haben Sie I like to move it gecovert, das nun als offizielles EM-Lied des ZDF hoch und runter gespielt wird. Gibt es Kritik, dass Sie Polka nicht ernst nehmen?

Drachuk: Wir nehmen Polka ernst, sehr sogar! Wir verpassen der Musik einfach ein bisschen mehr Spaß, auf unsere eigene Weise. Polka kann zwar sehr unterschiedlich sein, hat aber vor allem eine lange Tradition als Gute-Laune-Musik auf Hochzeiten und anderen Festen. Diese Tradition führen wir gewissermaßen fort. Wir versuchen einfach, alles zu covern! Wobei es vielleicht auch Songs gibt, die man nicht covern kann. Experimenteller Fusion-Jazz oder was weiß ich.

ZEIT ONLINE: Was sind die drei Hauptgründe für Ihren Erfolg?

Drachuk: Gute Frage! Ich würde sagen: Talent, Glück und… und… ich weiß nicht...

ZEIT ONLINE:YouTube ?

Drachuk: Und YouTube, yeah!

ZEIT ONLINE: Müssen wir Angst haben, dass sich bei Ihnen bald Starallüren einstellen? Anatolij Timoschtschuk lässt sich seinen persönlichen Friseur aus der Ukraine nach München einfliegen…

Drachuk: Ha, da mach dir mal keine Sorgen. Wir sind Bauernjungs. Im September werden wir zu Hause in Ternopil unsere Kartoffeln ernten. Dabei ist es egal, ob unsere Frisuren sitzen!

ZEIT ONLINE: Sie sind wirklich Bauern?

Drachuk: Ja, unsere Heimatregion ist das landwirtschaftliche Zentrum der Ukraine. Wir bauen hauptsächlich Kartoffeln an und ein bisschen Gemüse.

ZEIT ONLINE: Wer wird Europameister?

Drachuk: Wer die besten Chancen hat, ist schwer zu sagen, bisher sind fast alle Spiele so unberechenbar verlaufen. Aber ich hoffe auf die Ukraine oder Deutschland.