ZEIT ONLINE: Frau Streiber, wie viel haben Sie vom Spiel Deutschland-Portugal gestern Abend mitbekommen?

Streiber: Leider nur sehr wenig. Ich saß in der Dienststelle der ukrainischen Kollegen in Lemberg . Die sind nicht ganz nach deutschem Standard ausgestattet, Fernseher gibt es dort nicht ( lacht ). Netterweise haben mir die Kollegen dann ein Handy mit Kopfhörer besorgt, auf dem ich zwischendurch eine Radioübertragung verfolgen konnte.

ZEIT ONLINE: Vermutlich mit ukrainischem Kommentar...
 

Streiber: Ja, aber das war kein Problem. Ich bin in der ehemaligen Sowjetunion aufgewachsen und spreche daher fließend Russisch. Mein Ukrainisch ist nicht ganz so gut, aber verstehen kann ich alles. Die Glückwünsche nach dem Abpfiff sowieso.

ZEIT ONLINE: Waren Sie doppelt erleichtert über den Sieg, der natürlich die Fans besänftigt hat?

Streiber: Ja, aber bisher ist die EM ein absolut friedliches Fest. Ich persönlich war aber auch als Fan froh, als das Tor fiel – und vor allem als dann endlich abgepfiffen wurde. Zumindest laut dem ukrainischen Kommentator war Deutschland nicht gerade das bessere Team.

ZEIT ONLINE: Wie reagieren die Fans auf deutsche Polizisten?

Streiber: Die deutschen Fans freuen sich, viele sind geradezu erleichtert, wenn da jemand ist, der ihnen auf Deutsch weiterhilft. Wer die Beschilderung übersieht und sich verläuft, für den ist es nicht ganz einfach, weil die kyrillischen Buchstaben ja ganz anders sind als gewohnt.

ZEIT ONLINE: Und die Ukrainer?

Streiber: Die wundern sich oft über den freundlichen Umgang, den wir mit den Fans pflegen. Hierzulande ist das Verhältnis zwischen Polizei und Bürgern sehr distanziert, da werden nicht einfach Scherze gemacht. Inzwischen machen es aber manche den Deutschen nach und posieren für Fotos mit uns.

ZEIT ONLINE: Wer wird Europameister?

Streiber: Ich drücke auf jeden Fall Deutschland die Daumen, auch wenn sie sich dafür wohl steigern müssen. Die Russen sollen ja bisher das beste Spiel abgeliefert haben – aber ich habe nur das Ergebnis gesehen.