Haben Sie mal eben 8.000 Euro übrig? Dann können Sie noch an der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele teilnehmen. Und ein bisschen Schwimmen (Vorläufe), Tischtennis (erste Runde) und drei Nächte im Hotel kriegen Sie noch obendrauf. Games Break Plus heißt dieses Schnäppchen des " Official Provider of short breaks to the London 2012 Games " – eine der seltsameren Verwandten der olympischen Familie.

Es könnte sein, dass sich die Veranstalter bei ihrer Politik der teuren Tickets mächtig verkalkuliert haben. Vor Kurzem noch, genau 50 Tage vor Beginn der Spiele, waren zwar acht Million Karten für die Spiele und die anschließenden Paralympics verkauft, aber drei Millionen waren noch zu haben. Und das nicht nur fürs Synchronschwimmen und Gewichtheben. Nein, es sind noch echte Höhepunkte im Angebot: Leichtathletik, Schwimmen, Fußballspiele im Wembley-Stadion und auch die beiden Zeremonien zu Beginn und Schluss der Spiele.

Vielleicht gibt es ja deshalb noch Karten, weil der Ablauf der Eröffnungs- und Schlussfeiern gehütet wird wie ein Staatsgeheimnis – wer will schon Massenszenen im Sack kaufen? Vielleicht ist es aber auch genau andersherum. Die ersten Namen der Show-Teilnehmer sind schon durchgesickert. Und wer gibt schon ein paar Tausend Euro für Take That aus?

Gut möglich auch, dass niemand soviel Geld für die große Gala eines Unternehmens ausgeben will, das etwas ästhetisch so Zweifelhaftes ausgebrütet hat wie die Maskottchen dieser Spiele. Klar, die Symboltiere aller großen Sportveranstaltungen der letzten Jahre sind ein Fall für die Designpolizei. Wir erinnern nur an Goleo, den Löwen der WM 2006, bei dem es nicht mal für eine anständige Hose gereicht hatte. Wenlock und Mandeville aber sind noch spezieller. Zwei Kondome mit einem Auge auf der Stirn und einem Taxi-Schild auf dem Kopf – wenn da mal nicht die Zielgruppenkinder schreiend Reißaus nehmen!

Die Legende besagt, dass die beiden – ja was eigentlich, Wesen? Dinger? Ausgeburten? – aus den letzten Tropfen flüssigen Stahls geformt wurden, die beim Bau des Olympiastadions übrig geblieben sind. Ein missglückter Fall von Resteverwertung bei diesen sich ach so nachhaltig gebenden olympischen Spielen. Da hätten sie den Stahl genauso gut in die Klinke einer Klotür fließen lassen können. Als hätten die Macher geahnt, dass ihr Entwurf kein Großer ist, setzen sie nun auf Schwarmintelligenz: Auf einer Website kann jedermann die Maskottchen nach Belieben verschönern und der Population neue Exemplare hinzufügen; inzwischen sind so rund 80.000 Wenlocks und Mandevilles entstanden, mit Schnauzbärten, Taucherbrillen, Schottenröcken.

Dabei wird zumindest mit Wenlock kein geringerer Anspruch erhoben, als dass die Geschichte der Olympischen Spiele neu geschrieben werden muss. Denn eigentlich, so die Story hinter dem Namen, fanden die ersten Spiele der Neuzeit keineswegs 1896 in Athen , sondern 1850 in Much Wenlock statt, einem 2500-Seelen-Dorf in Shropshire, nahe der walisischen Grenze. Der Dorfdoktor hatte seinen Mitbürgern athletische Spiele zur Leibesertüchtigung verordnet, die fünf Jahre später zu den "National Olympian Games" geadelt wurden. 1880 kam ein gewisser Pierre de Coubertin zu Besuch und nahm die Idee mit in die große Welt: 1894 gründete er das Internationale Olympische Komitee, das zwei Jahre später die ersten Spiele der Neuzeit in Athen organisierte. Klarer Fall von Produktpiraterie also. Damit man die Briten mit ihrer historischen Tiefenbohrung aber auch ernst nehmen kann, hätte Wenlock vielleicht etwas weniger wie ein Spermium mit Beinen aussehen sollen.