Das Areal ist eine staubige, verwahrloste Einöde. Nachts kippen hier im Schutz der Dunkelheit Lastwagen illegal Bauschutt und Sperrmüll ab. Einige Roma-Familien hausen in selbst gezimmerten Verschlägen auf dem Gelände. Die Anwohner nennen es die Sahara . Wie das Gerippe eines toten Tieres ragt die Stahlgitterkonstruktion des Beachvolleyball-Stadions aus dieser Wüste auf. Kaum etwas verdeutlicht das Versagen der griechischen Politik und die Misere des Olympia-Erbes so bedrückend wie diese 24 Hektar Land bei Faliron. Man muss nicht bis nach Barcelona fahren, um sich auszumalen, was man aus diesem Küstenstreifen hätte machen können.

Wenn man von Faliron nach Süden blickt, sieht man in der Ferne den Kontrollturm des alten Athener Flughafens Ellinikon. Seit über elf Jahren ist dort kein Flugzeug mehr gelandet, aber die Schilder hängen noch: Domestic Departures, International Arrivals. Nicht mal für die Sommerspiele von 2004 hat man sich die Mühe gemacht, die verrosteten Wegweiser abzumontieren. Damals erwachte das Flughafengelände für drei Wochen zu neuem Leben. Auf einem Teil des Vorfelds wurden in einem künstlich angelegten Wildwasser Kanu-Wettbewerbe ausgetragen, in einem umgebauten Flugzeughangar spielte man Basketball. Aber seit dem Ende der Spiele ist das 600 Hektar große Gelände wieder eingezäunt und menschenleer.

"Den größten Park Europas" versprach 2001 der damalige Premier Kostas Simitis hier anzulegen. Darauf warten die Athener immer noch vergeblich. In einer Ecke des Rollfelds vergammeln mehrere Flugzeugwracks der längst aufgelösten Staatslinie Olympic Airways – Symbole des Niedergangs eines ganzen Landes.

Immerhin verdanken die Athener den Spielen von 2004 ihren neuen Flughafen bei der Ortschaft Spata. Und auch die moderne Ringautobahn hätte es ohne die Spiele wohl ebenso wenig gegeben wie die neue S-Bahn oder die Straßenbahn, die vom Syntagmaplatz zur Küste des Saronischen Golfs fährt. Ansonsten aber ist von den Spielen wenig geblieben – außer einem riesigen Schuldenberg.

Das Budget für die Spiele betrug ursprünglich 4,6 Milliarden Euro. Tatsächlich wurden es nach offiziellen Angaben 11,2 Milliarden Euro. Unabhängige Schätzungen gehen sogar in eine Größenordnung von 20 Milliarden Euro. Olympia 2004 ist den Griechen zum Verhängnis geworden. Nachdem das Haushaltsdefizit 2002 noch bei erträglichen 3,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gelegen hatte, schoss die Quote im Olympiajahr auf 7,5 Prozent. Binnen einem Jahr stieg die Staatsverschuldung von 182 auf 201 Milliarden Euro. Damit war der Weg Griechenlands ins Schuldendesaster vorgezeichnet.

Der Olympia-Fan Leonidas Galanos wollte übrigens nach London fliegen, um wenigstens die Eröffnungsfeier mitzuerleben. Diesen Plan hat er aufgeben müssen. Die Krise hat auch ihn eingeholt. Vor einem halben Jahr verlor er seinen Job als Verkaufsleiter bei einem Athener Möbelhaus. Das Unternehmen meldete Insolvenz an. Jetzt bekommt Leonidas Galanos 360 Euro Arbeitslosengeld im Monat. Für die Reise nach London reicht das nicht.