Bei der Tour de France 2012 hat es einen ersten Dopingfall gegeben. Wie der Radsport-Weltverband UCI mitteilte, wurde beim Spitzenfahrer und letztjährigen Gesamtdritten Fränk Schleck ein Diuretikum gefunden. Das oft zur Verschleierung von Dopingmitteln eingesetzte Medikament Xipamid steht zwar nicht auf der Liste der verbotenen Substanzen und nach den Anti-Doping-Regeln der UCI führt der Befund nicht automatisch zu einer Sanktion. Allerdings forderte der Verband den Rennstall RadioShack auf, "die nötigen Schritte zu ergreifen". Daraufhin nahm das Team Schleck aus dem Rennen.

"Ich bin aus allen Wolken gefallen", wurde Schleck in luxemburgischen Medien zitiert. Nach Informationen des "Luxemburger Tageblatts" erstattete Schleck Anzeige gegen Unbekannt, weil ihm etwas untergeschoben worden sein soll. "Bei meinem Leben und bei meiner Familie bin ich sicher, dass er nichts genommen hat", sagte Andy Schleck, der Tour-Sieger 2010 und jüngere Bruder des Verdächtigten.

Schleck soll freiwillig auf ein Polizeirevier gegangen sein, möglicherweise um einer Verhaftung zu entgehen. Er wurde auch von Ermittlern der Sonderheit OCLAESP – der in Frankreich auch für Doping zuständigen Behörde für die öffentliche Gesundheit – verhört. Gegen 23.30 Uhr habe er das Revier verlassen.

Vier Tage Zeit für Öffnung der B-Probe

Der positive Befund resultierte aus einer Urinprobe Schlecks vom 14. Juli, als das Tour-Peloton nach Cap d'Agde ans Mittelmeer fuhr. Schleck hat vier Tage Zeit, die Öffnung der B-Probe zu verlangen. Mindestens bis dahin gilt er als unschuldig. Dennoch wurde er von seinem Team unverzüglich aus der Tour genommen, um die Fortführung der Rundfahrt "in Ruhe" zu gewährleisten. Die restlichen Fahrer der Mannschaft, darunter die Deutschen Andreas Klöden und Jens Voigt , sollten in Pau wieder am Start stehen.

Am gestrigen Dienstagabend, dem zweiten Tour-Ruhetag, suchte die Polizei das RadioShack-Teamhotel in Pau auf. Die Einsatzkräfte blockierten dabei den Eingang zum Hotel. Entgegen erster Meldungen seien die Zimmer von der Polizei aber nicht durchsucht worden.

Schleck zum zweiten Mal unter Dopingverdacht

Schlecks positiven Befund lieferte das Labor Chatenay-Malabry am Stadtrand von Paris . Dort wurden 1999 auch die positiven und erst sechs Jahre später analysierten EPO-Proben von Tour-Rekordsieger Lance Armstrong untersucht.

Schleck steht nicht zum ersten Mal unter Dopingverdacht. 2008 musste er nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zugeben, dem spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes Geld überwiesen zu haben. Weil ihm die Luxemburger Anti-Doping-Agentur glaubte, dass er den Skandal-Mediziner nur für Trainingspläne und nicht für Doping bezahlt hatte, wurde er nicht gesperrt.