"Nein, nein", entgegnet Neil Stubley und breitet entspannt seine Arme auf der Rückenlehne einer Bank aus. Während er spricht, blickt er von einer Terrasse aus auf die Courts Nummer 14, 15 und 16. Dass der Rasen auf ihnen schon wieder zertrampelt ist, nach all der Arbeit, störe ihn kaum. "Das ist ja unser Job. Stellen Sie sich vor, da würde sich nichts abnutzen. Dann wären wir doch nutzlos."

Feuchte Kälte wirkt bremsend

Stubley ist einer der wichtigsten Männer Wimbledons. Der 43-jährige Brite ist als "Head Groundsman" dafür zuständig, dass die 19 Plätze der berühmtesten Tennisanlage der Welt immer bespielbar sind, wenn es drauf ankommt. Er sorgt dafür, dass Roger Federer und Andy Murray auch im letzten Spiel, beim Herrenfinale am Sonntag, nicht die Bälle verspringen. Das erfordert Beharrlichkeit, exakte Analysen und Planungen, aber immer wieder auch schnelle Handlungsfähigkeit. Gerade in diesem Jahr, wenn in Wimbledon neben dem Grand-Slam-Turnier noch die Olympischen Spiele ausgetragen werden, müssen Stubley und seine Mitarbeiter besonders viel leisten.

"Die Plätze müssen normalerweise über 13 Tage und mehrere Stunden täglicher Belastung ohne Unebenheiten bleiben", sagt Stubley. Es klingt, als wäre es die gleiche Arbeit, alle Jahre wieder. Aber so einfach sei das nicht. "Du weißt ja zum Beispiel nie genau, wann der Regen kommt, und wie viele Tropfen dem ersten folgen werden." In Sekundenschnelle müsse man dann entscheiden, ob das Spiel unterbrochen werden sollen. Dann werden Planen ausgerollt, binnen maximal 28 Sekunden, ehe sich Stubley und seine Kollegen um den Rasen darunter kümmern können.

Auch ohne Regen verändert sich der Untergrund im Laufe der Jahre. "Die Rasencourts sind heute schon deutlich langsamer als noch vor 15 oder 20 Jahren", sagte der Vorjahressieger Novak Djokovic vor Beginn des Turniers. Was für Djokovics Stil als Grundlinienspieler von Vorteil ist, liegt nicht jedem Spielertypen. Deswegen gibt es alljährlich eine Debatte über die Schnelligkeit, mit der die Bälle auf den Plätzen abspringen. "Wir wollen die Geschwindigkeit des Spiels konstant halten", sagt Stubley. Aber die Komprimierung des Rasens, die sich mit der Zeit einstellt, sowie das Wetter in den Wochen vor dem Turnier beeinflussen die Plätze. Ein warmer, trockener Rasen macht das Spiel schneller, feuchte Kälte wirkt bremsend.