Der Weg zum Bundesleistungszentrum Kienbaum führt von Berlin aus Richtung Osten durch die Plattenbaugebiete Marzahns und Hohenschönhausens immer weiter geradeaus, bis es irgendwann keine Häuser mehr gibt. Dann nach 30 Kilometern ein schlichtes Abzweigschild "Kienbaum". Kein Hinweis darauf, dass es hier zur Vorzeige-Anlage des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) geht, wo sich knapp die Hälfte der 389 Olympia-Athleten auf London vorbereitet haben und die den Steuerzahler bisher um die 50 Millionen Euro gekostet hat.

So sicher wie das Olympische Feuer zur Eröffnungsfeier kommen alle vier Jahre die Diskussionen über die Sportförderung auf. Kein Wunder, bei den Zahlen. Offiziell hat das Bundesinnenministerium für den Sport im vergangenen Jahr 133 Millionen Euro ausgegeben. Hinzu kommen noch die Ausgaben für Sportsoldaten, Sportpolizisten und Sportzöllner sowie das Geld aus Konjunkturpaketen von Bund und Ländern. Die FAZ hatte 2010 ausgerechnet, dass innerhalb von vier Jahren auf diese Weise 850 Millionen Euro für die Sportförderung zusammen kommen.

Einige mögen sich fragen, ob es diese Summe wert ist, damit bei den Olympischen Spielen ein paar Mal die deutsche Fahne hochgezogen wird. Andererseits werden von deutschen Sportlern Spitzenleistungen erwartet, das kollektive Warten auf die erste Medaille dieser Tage hat es wieder einmal verdeutlicht. Sportliche Erfolge sind ohne viel Geld nicht zu haben, das wird nirgends so klar wie in Kienbaum.

Man kann das Bundesleistungszentrum als vorbildliches Zusammenführen von Ost und West sehen. Oder als bundesdeutsche Fortsetzung der berüchtigten Medaillenschmiede der DDR. Seit 1952 entstand fast jeder Olympiasieg der DDR hier. Mit allem, was dazugehört. Legendär ist die Unterdruckkammer, ein zweigeschössiger Bunker, in dem die Athleten ein Höhetraining simulieren konnten. Die Kammer, die es offiziell gar nicht gab, gilt vielen als Symbol für den DDR-Sport, dem für den Erfolg jedes Mittel recht war. Heute modert sie vor sich hin. Die Athleten trainieren lieber in echten Höhen als in einem stickigen Bunker. Den Rest der 60 Hektar großen Anlage nutzen sie gern.

Knapp 70.000 Übernachtungen verzeichnete das Bundesleistungszentrum mit seinen 400 Betten auf 200 Zimmern im vergangenen Jahr. Der Turner Philipp Boy bezeichnet es als sein "zweites Zuhause". Und vielen geht es wie Kugelstoßerin Nadine Kleinert, die sagt: "Ohne Kienbaum hätte ich nie meine Medaillen gewonnen."

Die Sportler lieben die Anlage, gerade weil sie ihre Verstecktheit, die in der DDR Programm war, bewahrt hat. Sollte sich tatsächlich jemand mal hierher verirren, sorgen der Liebenberger See und dichter Wald dafür, dass von der Anlage kaum etwas zu sehen ist. "Für die Sportler ist die Lage ideal. Hier finden sie absolute Ruhe, die sie brauchen, um in Ruhe trainieren und regenerieren zu können. Andererseits ist es nicht weit nach Berlin, wenn ihnen die Decke auf den Kopf fällt", sagt Klaus-Peter Nowack.

Nowack ist der Geschäftsführer des Bundesleistungszentrums, aber in seinen Sportklamotten sieht er aus wie ein Trainer. Das war er auch, bevor er noch in der DDR zum Leichtathletik-Funktionär aufstieg und nach der Wende blieb. Nach Kienbaum kam er 2002 als Nachfolger von Hartmut Schümann. Der musste gehen, als herauskam, dass er für die Stasi gespitzelt hatte. Nowack sagt, er müsse schon jetzt für die nächsten Olympischen Spiele planen, da kann er sich nicht ständig mit der Vergangenheit auseinandersetzen. Nur soviel: "Im Sport war sicherlich nicht alles verkehrt, was damals gelaufen ist".