Im kalten Wasser fühlt sich der menschliche Körper gleichzeitig schwerelos und sehr schwer an. Keine Empfindungen außer Kälte und Schmerz, ein leichtes Rauschen als Dauerton, unter sich eine kalte Tiefe, durch die man sich mechanisch, langsam fortbewegt.

Über 41 Stunden lebte Diana Nyad wieder in dieser Welt. Ein Armzug pro Sekunde, kein Schlaf, bloß alle neunzig Minuten eine kurze Pause, gerade lange genug, um ein wenig Erdnussbutter zu essen. Die rund 90 Seemeilen (umgerechnet rund 165 Kilometer) von Kuba nach Florida zu schwimmen – von diesem Gedanken war die Amerikanerin seit Langem besessen. Am vergangenen Montag ist sie mit dieser wahnwitzigen Idee zum vierten Mal gescheitert, einen Tag vor ihrem 63. Geburtstag.

Nyads persönliche Geschichte mit dieser Meeresstrecke ist 34 Jahre lang. Damals sprang sie das erste Mal ins Wasser von Havanna . Wegen des schlechten Wetters musste sie nach 76 Meilen aufgeben. Ein Jahr später legte sie eine andere Langstrecke zurück: die 88 Seemeilen zwischen den Bahamas und Florida. Kurz darauf kündigte sie ihren Rücktritt als professionelle Sportlerin an. "Ich hatte einen neuen Rekord aufgestellt, war aber nicht ganz zufrieden", sagte sie einige Jahre später in einem Interview. "Es hätte Kuba sein sollen."

Kein Olympia: Mit 17 erlitt sie eine Herzkrankheit

Die gebürtige New Yorkerin gab den Leistungssport auf und wurde Sportjournalistin. Als ihre Mutter vor drei Jahren starb, geriet sie in eine Lebenskrise. "Ich begriff, dass auch meine Tage irgendwann gezählt sein werden. Ich brauchte ein neues Lebensziel", sagte sie. Sie erinnerte sich an ihr altes Ziel: ein Sprung in die Havanna-Bucht und, etwa sechzig Stunden später, der Landgang am Strand von Key West.

Über dreißig Jahre lang hatte sie kein einziges Mal die Badekappe angezogen, nun fing sie wieder an, intensiv zu trainieren, im Alter von 60 Jahren. Zwei Jahre brauchte sie, um ununterbrochen länger als vierundzwanzig Stunden schwimmen zu können. Vor gut einem Jahr flog sie mit einem Team von Sportärzten und Seefahrern nach Havanna. Der erste Versuch am 7. August 2011 musste nach dreißig Stunden wegen der starken Strömung und eines Asthma-Anfalls abgebrochen werden.

Aber Diana Nyad ließ sich nicht einschüchtern. Anderthalb Monate später war sie wieder im Wasser. Wenige Stunden nach dem Start hörten die Teammitglieder an Bord des Begleitboots, wie die Schwimmerin schrie: "Ich brenne! Ich brenne!" Ihr Körper hatte eine Würfelqualle gestreift. "Das Gefühl kann man schwer beschreiben", sagte sie. "Zuerst fühlt es sich so an, als ob der ganze Körper von inneren Flammen verbrannt würde. Dann lähmt das Gift alle Muskeln. Die Lungen schnappen nach Luft, doch der Brustkorb kann sich nicht dehnen."

Noch im Wasser wurde Nyad behandelt, gegen den Rat des Arztes schwamm sie weiter. Zwölf Stunden später derselbe Schmerz, schon wieder eine Würfelqualle. Nyad war unter Schock, sie verlor das Bewusstsein, wurde an Bord gehoben. Als sie wieder zu sich kam, wollte sie zurück ins Wasser. Wieder riet der Arzt ab, wieder schwamm Nyad weiter. Die Schwierigkeiten beim Atemholen ließen aber nicht nach. Wenige Stunden später gab die Veteranin weinend auf.

Das Wasser hat für sie seit jeher eine besondere Bedeutung. "Ich glaube, meine Seele fühlt sich vom Meer angezogen", sagte sie. "Selbst mein Name, Nyad, hört sich wie 'Najade' an, die Wassernymphe aus der griechischen Mythologie." Schon als Kind trainierte sie viel. Mit 17 erlitt sie eine Herzkrankheit, die ihr den Weg zur bevorstehenden Olympischen Spielen in Mexiko versperrte.