Ich habe 2000 mit dem Synchronschwimmen begonnen, nachdem ich den Sport bei Olympia im Fernsehen gesehen hatte. Ich fand es so faszinierend, dass ich selber angefangen habe.

Synchronschwimmen sieht unglaublich beeindruckend aus, vor allem bei den Gruppenwettbewerben, wenn acht bis zehn Schwimmer exakt das Gleiche machen. Besonders schön finde ich die Show-Elemente, also Heber, bei denen die Sportlerinnen aus dem Wasser katapultiert werden und Salti und Spagate und Drehungen machen. Davon werden wir am heutigen Freitag im olympischen Team-Finale einige sehen.

Das Wichtigste beim Synchronschwimmen ist die Wasserlage. Der Kopf, der Bauch und die Füße müssen über Wasser sein. Vielen fällt es jedoch schwer, den ganzen Körper an der Wasseroberfläche zu halten. Männern etwa, sie können nicht an Wettkämpfen teilnehmen: Sie haben einen anderen Schwerpunkt als Frauen und können dadurch ihre Beine nicht über dem Wasser halten. Es gibt in Deutschland nur einen männlichen Synchronschwimmer, der auch Wettkämpfe schwimmt. International dürfen die Männer gar nicht mitmachen.

Viele Zuschauer denken, Synchronschwimmen sei ein einfacher Sport. Sie sehen nur die Ästhetik, aber erkennen nicht die enorme Anstrengung. Sowohl Kraft als auch Ausdauer sind sehr wichtig. Man muss sehr lange die Luft anhalten können und gleichzeitig punktuell Kraft ausüben. Eine drei- bis vier minütige Kür kann ganz schön anstrengend sein.

Wir müssen deshalb viel trainieren. In der Vorbereitungsphase machen wir fast nur Krafttraining, was manche kaum glauben mögen. Wir nähen Bleikügelchen an die Wade, damit wir schwerer im Wasser sind und uns anstrengen müssen, oben zu bleiben.

Erst vor den Wettkämpfen im Juni und Juli stehen die Küren im Vordergrund. Wir trainieren in dieser Phase sechsmal die Woche ungefähr 2-3 Stunden pro Tag. In dieser Zeit nutzen wir sehr intensiv Videoanalysen und schauen uns die Küren immer und immer wieder an.

In den Wochen vor den Wettkämpfen sieht man sein Team öfter als seine Eltern. Die Gruppe ist wie eine zweite Familie. Der Zusammenhalt ist für mich unglaublich wichtig. Man bleibt auch der Gruppe wegen am Ball, weil man niemanden enttäuschen will.

Leider kann man mit Synchronschwimmen in Deutschland kein Geld verdienen. Dadurch, dass der DSV keine Medaillenchancen für die Synchronschwimmer sieht, ist das Budget recht gering.

Je älter man wird, desto weniger kann man die Schule mit dem Sport vereinbaren. Das Durchschnittsalter der Nationalmannschaft liegt deshalb bei fünfzehn Jahren. Ich war auch in der Jugendnationalmannschaft für zwei Jahre, habe aber am Ende Schule und Studium vorziehen müssen.

Aufgezeichnet von Tobias Escher