Ausdauerläufe faszinieren mich, ich war schon immer ein Einzelkämpfer. Ich bin schon viele Wettbewerbe gelaufen und geschwommen, darunter mehrere Ironman und das Race across America, ein Radrennen von der West- zur Ostküste.

Ich brauche diesen körperlichen Ausgleich, aber auch den langfristigen Plan. Man bereitet sich vor, man kommt zum Wettkampf, man setzt sich ein Ziel und setzt es um. Gemessen daran ist man Sieger – oder nicht. Bei Ausdauerrennen gibt es kein Verstecken.

Während des Wettkampfs muss man sich quälen. Der Körper schreit nach Aufhören, man kämpft mit den inneren Schweinehunden, den Hysterien des Körpers. Doch wenn man die Ziellinie überquert hat, vergisst man den Schmerz, das Leid, die Qual. Man sieht das Ergebnis und ist überrascht, wenn man schneller gelaufen ist als geplant. Es fühlt sich an wie bei einer Geburt, am Ende ist das Kind auf dem Arm oder die Medaille in den Händen.

Das Harte an einem Triathlon und allgemein am Ausdauersport ist aber die Vorbereitung. Nur wenn ich meinen Trainingsplan einhalte, schaffe ich auch meine Ergebnisse. Man läuft einen Triathlon nicht auf Bestzeit, nur weil man einen tollen Tag hat, sondern weil man sich entsprechend vorbereitet hat. Deswegen heißt es ja auch Aus-Dauer.

Dieser Sport ist keine Frage des Talents. Jeder, der gesund ist und nicht übergewichtig, nicht zu alt oder zu jung, kann einen Ironman schaffen. Wichtig ist nur, dass man sich vorher vom Arzt untersuchen lässt, ob der eigene Körper die Belastung aushält.

Ich glaube, Erfolg im Beruf beruht auf denselben Eigenschaften wie Erfolg im Ausdauersport: starkem Willen und Disziplin. All das ist im Triathlon drin, es geht nicht nur um das Körperliche. Der sportliche Wettkampf kann viel Ehrgeiz freisetzen, den man auch im Alltag nutzen kann, ob beruflich oder privat.

Ein Amateursportler wie ich kann den Ausdauersport noch mehr genießen als ein Profi, weil ich das Ergebnis nur für mich brauche. Die Triathleten bei Olympia, die heute antreten, müssen jedoch davon leben. Deren Karriere dauert etwa fünf Jahre, manche haben Glück, sind zehn Jahre dabei. Die ersten Drei werden groß geehrt, der Sechste oder Zwölfte, der manchmal nur Sekunden später im Ziel ist, kann nicht lange von diesem Ergebnis zehren, selbst wenn er seine persönliche Bestzeit gelaufen ist.

Die Athleten müssen deshalb auf den Punkt fit sein. Ihre Leistungen sind bewundernswert, gerade wenn man weiß, wie viel harte Arbeit dahintersteckt.

Aufgezeichnet von Tobias Escher