Die deutsche Ruderin Nadja Drygalla hat am gestrigen Donnerstag überraschend das Olympische Dorf in London verlassen.

Anlass der plötzlichen Abreise sind einem Bericht des NDR zufolge Kontakte der Ruderin in die rechtsextreme Szene. Der Lebensgefährte Drygallas soll demnach Michael Fischer sein, der im vergangenen Jahr Direktkandidat der NPD für den mecklenburgischen Landtag war. Er soll Mitglied der Kameradschaft Nationale Sozialisten Rostock sein und regelmäßig für ein NPD-nahes Internetportal schreiben.

Besonders heikel: Die Vorwürfe sind nicht neu, berichtet der NDR . Bereits im März 2011 seien Meldungen bekannt geworden, dass die Sportlerin mit einem Neonazi aus Rostock liiert sei. Infolge dessen schied Drygalla aus dem Polizeidienst aus, möglicherweise auf Druck der Polizeiführung, so der Bericht. Der Chef de Mission, Michael Vesper , räumte ein, dass es schon früher Gerüchte über mögliche Verquickungen der Sportlerin mit der rechtsextremen Szene gegeben habe: "Ich weiß, dass das vor einigen Monaten mal möglicherweise im Gespräch war."

Auf einer antifaschistischen Internetseite wurden zudem Fotos von der Sportlerin veröffentlicht, die sie in einem rechtsextremistischen Umfeld zeigen.

"Die Beziehung der beiden ist seit langem bekannt", sagt Rechtsextremismus-Experte Günther Hoffmann der tageszeitung . Ähnlich äußerte sich Linken-Bundestagsabgeordnete Petra Pau , die auch Mitglied im NSU-Untersuchungsausschuss ist: "Frau Drygalla wird ein strammer Hang ins Nazi-Millieu nachgesagt. Das ist nicht neu und das war nicht unbekannt. Dennoch wurde sie sportlich von Behörden und Organisationen zur Olympia-Reife gefördert und in das deutsche Vorzeige-Team berufen", sagte sie der taz .

Abreise am Donnerstag

Die 23 Jahre alte Drygalla, Mitglied des im Hoffnungslauf gescheiterten Deutschland-Achters der Frauen, hatte das olympische Dorf nach einem Gespräch mit Vesper sowie DRV-Sportdirektor Mario Woldt verlassen. Darin habe die Rostockerin bekräftigt, "dass sie sich zu den Werten der Olympischen Charta und den in der Präambel der DOSB-Satzung niedergelegten Grundsätzen bekennt", sagte Vesper.

Um keine Belastung für die Olympiamannschaft entstehen zu lassen, habe Drygalla dann jedoch von sich aus erklärt, dass sie das olympische Dorf verlassen werde. "Die Mannschaftsleitung begrüßt diesen Schritt", sagte Vesper.

Privates Umfeld wird geprüft

Der Deutsche Ruderverband (DRV) kündigte an, nach den Olympischen Spielen das private Umfeld Drygallas zu klären und danach über mögliche Konsequenzen zu entscheiden. "Wir werden noch im August ein weiteres Gespräch mit Nadja Drygalla führen. Danach werden wir gemeinsam die weitere Vorgehensweise besprechen und natürlich auch kommunizieren", teilte der DRV-Vorsitzende Siegfried Kaidel mit . Er nahm Drygalla am Freitag in Schutz: "Sie hat mehrfach beteuert, mit der rechten Szene nichts zu tun zu haben."

Auch der Leiter des deutschen Olympia-Teams verteidigte die Athletin auf einer Pressekonferenz: "Wichtig ist, wie sie selber denkt und handelt", sagte er. "In Deutschland ist jeder für die eigenen Taten und Handlungen verantwortlich, und nicht für die seines Umfelds", sagte Vesper. Der DOSB dulde unter seinen Sportlern keine Fremdenfeindlichkeit. Beim "leisesten Hinweis" darauf wäre solch ein Sportler nicht mehr Mitglied der deutschen Mannschaft. Allerdings könne es nicht Aufgabe des Sportbunds sein, dass auch das Umfeld der Sportler geprüft werde.

Vesper verwehrte sich gegen die Einschätzung, der Rechtsextremismus reiche in den deutschen Leistungssport hinein: "Das ist eine Unterstellung, die ich allerschärfstens zurückweise." Es gebe nicht den geringsten Hinweis in diese Richtung.