Oscar Pistorius hat seine erste Gold-Medaille bei den Paralympischen Spielen überraschend verpasst. Die Schuld sieht der Titelverteidiger nicht bei sich, sondern bei den zu hohen Stelzen des Siegers.

Pistorius erwischte beim 200-Meter-Finale der Männer am Sonntag einen guten Start. Fast zehn Meter war der an beiden Unterschenkeln amputierte Südafrikaner bereits in Führung, als Alan Oliveira aufholte. Auf den letzten 50 Metern zog der Brasilianer an Pistorius vorbei und holte in 21,45 Sekunden Gold. Er war damit sieben Hundertstelsekunden schneller als der "Bladerunner".

Pistorius, der über diese Distanz vor vier Jahren in Peking Gold holte , sieht sich klar benachteiligt. Die Stelzen des Gegners seien zu lang gewesen. "Die Jungs laufen zum Teil lächerliche Zeiten. Alan ist ein großartiger Athlet. Aber ich laufe zehn Meter pro Sekunde. Da kann ich mir nicht erklären, wie er auf der Zielgeraden einen Abstand von acht Metern noch aufholen kann", sagte Pistorius.

Der 25-Jährige entschuldigte sich am Montag jedoch für seine Wortwahl so unmittelbar nach dem Rennen: "Ich wollte niemals den Moment des Triumphes eines anderen Athleten schmälern", sagte Pistorius in einem Statement."Das war die Stunde von Alan und ich möchte deutlich machen, welchen Respekt ich vor ihm habe", sagte er über den Goldmedaillen-Gewinner.

Oliveira selbst hatte die Kritik bereits am Sonntag zurückgewiesen. Der Brasilianer sagte, er habe diese Federn schon im Halbfinale benutzt: "Ich habe damit alle Test bestanden, das weiß Pistorius auch." Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) erklärte, dass alle Federn gemessen und zugelassen wurden.

Pistorius geht bei den Paralympischen Spielen in London noch über 100m und 400m sowie in der 4x100-Meter-Staffel ins Rennen. Als erster Läufer mit Prothesen ist er vor knapp einem Monat bei den Olympischen Spielen gestartet.