Worüber reden nach dem Spieltag alle?

Über den Fall des Kölners Kevin Pezzoni, ein Novum in der Bundesliga-Geschichte, das einen frösteln lässt. Pezzoni bat seinen Verein um Auflösung seines Vertrags , weil er wiederholt von Kölner Fans bedroht worden war. Sie lauerten ihm vor seiner Wohnung auf, klebten Gewaltdrohungen an sein Auto, schon im Februar hatte ihm ein Unbekannter das Nasenbein gebrochen. Nicht die erste Grenzüberschreitung von Fans: Auch der Kapitän des 1. FC Magdeburg bekam Hausbesuch von Vermummten und wechselte den Verein. In Dresden hoben vor ein paar Jahren Fans auf dem Trainingsgelände elf symbolische Gräber aus , in Köln hing ein Spruchband am Geißbockheim : "Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch tot." Es ist eine gefährliche Gemengelage, die sich da bei einigen Fans zusammengebraut hat, bei nur wenigen zwar, aber oft bei sehr einflussreichen. Die Kombination aus viel Testosteron, dem Gefühl, Fußball ist alles im Leben und einem Hauch Sozialneid. Wenn die eigenen, zu Helden stilisierten Spieler sich dann als fehlbar erweisen, bleibt nur Hass. Fußball war schon immer ein Ventil für Emotionen, nun scheint es bei einigen zu bersten. Natürlich, die Täter sollten bestraft werden und auch der 1. FC Köln muss sich fragen lassen, ob er mit dem Okay zur Vertragsauflösung nicht den Erpressern einen Gefallen getan hat. Wahrscheinlich aber sollten alle, die diese Emotionen schüren, wir Medien, Sponsoren, die Vereine selbst, mal ein wenig Luft aus dem Fußball lassen.

Was machten die Frauen?

Auf dem Papier stand am Wochenende der erste Spieltag der Bundesliga. Doch gerade einmal vier Mannschaften standen auf dem Platz. Der Serienmeister Turbine Potsdam gewann gegen den Aufsteiger VfL Sindelfingen 9:1 und der 1. FFC Frankfurt siegte etwas mühsam gegen Jena 2:1, durch einen Treffer der Nationalspielerin Simone Laudehr kurz vor Schluss. Die anderen vier Partien des ersten Spieltages wurden auf Wunsch der Vereine abgesagt, weil derzeit die U20-WM in Japan läuft und der eine oder andere Verein in der Liga nicht auf seine Talente verzichten will. Für den zweiten Spieltag am kommenden Wochenende gilt dasselbe. Bei der U20-WM selbst geht es für die deutsche Mannschaft der Trainerin Maren Meinert am Dienstag im Halbfinale gegen den Gastgeber Japan.

Wie verlief das Topspiel?

ZEIT ONLINE twittert ein Spiel jedes Spieltags live. Unser Sportredakteur Christian Spiller hat für uns das Spiel Bremen gegen Hamburg live im Stadion verfolgt. Hier fünf seiner Tweets. Alle Beiträge können Sie hier nachlesen.

zeitonlinesport Auf dem Weg zum Nord- und Geflügelderby nach Bremen. Hühnerbrüste gegen Hühnerhaufen. Darauf einen Broiler. #Werder #HSV (cs)
zeitonlinesport Ist das dort Werders Co-Trainer Wolfgang Rolff im Hamburger Mittelfeld? Nein, die Ostblockmatte Jiracek. (cs)
zeitonlinesport Hamburgs Trainer Fink mittlerweile mit mehr Ballkontakten als seine Stürmer.
zeitonlinesport Das schafft auch nur Elia. Sich auf dem Auswechselweg mit drei Leuten anlegen, inklusive Mitspieler und viertem Offiziellen.
zeitonlinesport Hämisches Gelächter beim Hoffenheimer 0:3-Zwischenergebnis. Es gab hier in Bremen mal einen Torwart, der ging, weil er international...

Was war sonst noch wichtig?

Es ist jedes Wochenende dasselbe, egal ob in Kneipen oder anderen Stadien: Rückstände bestimmter Mannschaften werden immer mit besonders viel Häme zur Kenntnis genommen. Ganz vorne mit dabei sind stets die TSG Hoffenheim und der VfL Wolfsburg , die beiden Plastikvereine, die es noch immer schwer haben, vom Bier-und-Bratwurst-Fan ernst genommen zu werden. An diesem Wochenende durfte besonders höhnisch gelacht werden. Beide Mannschaften verloren ihre Heimspiele gleich einmal mit 0:4. Und das, obwohl sie sich vor dieser Spielzeit recht selbstbewusst als Anwärter aufs europäische Geschäft ausgerufen haben . Während Felix Magath in Wolfsburg wohl erst in der Kritik stehen wird, wenn der letzte Volkswagen nicht mehr rollt, geht nach dem zweiten Hoffenheimer 0:4 binnen zwei Wochen schon jetzt die Angst um in den Kraichgauer Tatöwierstudios: Dass sie bald gar keine Gelegenheit mehr haben, Markus Babbel das 1899-Tattoo zu stechen.

Welches war das Zitat des Spieltags?

"Ich habe eigentlich gesagt, dass ich Samuel Eto'o haben will. Jetzt ist es Edu geworden. Da gab es wohl eine Verwechslung."

(Fürths Trainer Mike Büskens rund um den ersten Fürther Sieg der Bundesliga-Geschichte zur Verpflichtung des Schalkers Edu)