Wenn Walther Tröger über das Attentat palästinensischer Terroristen auf das israelische Olympia-Team 1972 in München spricht, dann sind ihm die Ereignisse "noch völlig präsent". Das Thema sei "nie gestorben", sagt der 83-Jährige in einem Interview.

Bei der Gedenkveranstaltung in München-Fürstenfeldbruck am 5. September wird Tröger der wohl wichtigste Zeitzeuge sein. Er vermittelte als Bürgermeister des olympischen Dorfes zwischen den Terroristen und den deutschen und israelischen Behörden. Bei dem Überfall vor 40 Jahren auf das olympische Dorf starben elf israelische Sportler, ein deutscher Polizist und fünf Terroristen.

Als Tröger zum ersten Mal dem Anführer der Terroristen, der sich Issa nannte, im Quartier der Israelis begegnete, waren ein Trainer und ein Gewichtheber bereits ermordet worden. "Issa wollte nur mit mir, dem Bürgermeister des olympischen Dorfs, sprechen. Er hatte eine Handgranate in der Hand, zwei Maschinenpistolen zielten auf mich. Issa hat gesagt, wir sind Soldaten des palästinensischen Volkes, wir wissen, das werden wir wahrscheinlich nicht überleben. Es gab keinen Zweifel, wir hatten es mit einem Selbstmordkommando zu tun." Ein Kommando, das mit seiner Geiselnahme 200 Häftlinge aus israelischen Gefängnissen freipressen sollte.

Tröger bot sich als Ersatzgeisel an

Ohne großes Nachdenken hat sich Tröger als Ersatzgeisel angeboten, wie später auch Innenminister Hans-Dietrich Genscher und Münchens Ex-Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel. "Meine Reaktion war spontan und wohl auch blauäugig und naiv. Ich fühlte mich verantwortlich für meine Gäste im Dorf, ich dachte, das könnte eine Lösung sein." Issa lehnte ab, bestand aber darauf, dass Tröger bei allen Kontakten dabei sein müsste.

Daraus sind insgesamt zwölf Treffen mit wechselnder Beteiligung geworden. "Es wurde immer hektischer, angespannter. Sie drohten, eine Geisel nach der anderen zu erschießen, wenn die Forderungen nicht erfüllt werden", sagte Tröger.

"Ungeheuer beeindruckt" hat Tröger ein Gespräch mit den neun Geiseln, das er mit Erlaubnis Issas zusammen mit Genscher führen durfte. "Sie sagten, wir haben Angst, aber wir hätten noch mehr Angst, wenn versucht werden würde, durch die Erstürmung des Quartiers eine Befreiung zu versuchen. Sie sahen die beste Chance darin, mit den Terroristen ausfliegen zu können."