In England sind die Anhänger von Manchester City für ihre Selbstironie bekannt. Als der stolze Traditionsverein Ende der Neunziger in die dritte Liga abstieg und damit seinen Tiefpunkt erreichte, sangen die Fans : "Wir sind gar nicht hier! Wir sind gar nicht hier!"

Fünfzehn Jahre später ist der Gesang immer noch populär – aber aus gänzlich anderen Gründen. Schauten viele Fans vor 15 Jahren ungläubig auf die Erfolgslosigkeit ihres Vereins, können sie heute den Erfolg kaum fassen. Binnen weniger Jahre wurde aus der grauen Maus eine Top-Adresse im europäischen Fußball, der englische Meistertitel in der vergangenen Saison war die vorläufige Krönung.

"Es liegt noch ein weiter Weg vor uns", so der Vorsitzende des Vereins, Khaldoon Al Mubarak. Der nächste Teil des Plans ist die Champions League, der prestigeträchtigste Wettbewerb, den der Fußball momentan kennt. Gegen Borussia Dortmund möchte Manchester City am heutigen Mittwoch einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Fußballgroßmacht gehen.

Verantwortlich für diese Entwicklung ist in erster Linie der Geldgeber, Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan, ein Öl-Milliardär aus Abu Dhabi . Er kaufte den Verein 2008 vom thailändischen Ex-Premierminister Thaksin Shinawatra . Seitdem spendierte er 900 Millionen Euro, viel davon gab der Klub für Transfers aus. Sergio Agüero (45 Millionen Euro), Edin Džeko (40 Millionen Euro) und Carlos Tévez (knapp 30 Millionen Euro) sind nur die Spitze einer langen Einkaufsliste.

Ein zweiter Abramowitsch?

Der Mäzen hinter dem Erfolg ist nur schwer zu fassen. Westlichen Journalisten gibt der Scheich grundsätzlich keine Interviews. Im Vergleich zu den anderen reichen Potentaten des Fußballs fiel er nie durch seine besondere Liebe zum Spiel auf. Roman Abramowitsch , der Eigentümer des FC Chelsea , lässt sich aus den entlegensten Winkeln der Erde zu den Spielen seiner "Blues" einfliegen, der Scheich war hingegen erst ein einziges Mal zu Gast im Etihad Stadium, bei einem 3:0-Sieg über den FC Liverpool . Selbst das entscheidende Spiel um die Meisterschaft sah er aus seiner Heimat. Seine Freizeit verbringt der passionierte Jockey lieber beim Pferderennen.

"Seien Sie versichert, er verpasst kein Spiel", betonte Al Mubarak vor einigen Wochen . Al Mubarak ist so etwas wie der inoffizielle Sprecher des medienscheuen Scheichs. Er studierte Wirtschaftswissenschaften in den USA , sein geschliffenes Englisch hat wenig gemein mit dem dreckigen Arbeiterdialekt der meisten City-Fans.

Öffentlich kämpft Al Mubarak gegen das Bild, der Klub sei nur der Spielball eines verwöhnten saudischen Goldjungen. Viele Fans sehen genau dies in Manchester City – ein neureicher Klub, abhängig von dem Wohlwollen eines Scheichs, der sich bei den ersten Anzeichen von Misserfolgen wieder zurückziehen wird. Al Mubarak betont hingegen immer wieder, die englische Meisterschaft sei das Produkt eines langfristigen Planes, den man kontinuierlich weiterverfolgen wird .