Die Elfmeterheldin vom EM-Finale führte eine Bande von Gewinnerinnen an, die in den Kaisersaal des Frankfurter Römers einmarschierte. Nein, einmarschierte kann man nicht sagen. Es war eine Art Indianertanz, mit dem sich die Fußball-Europameisterinnen synchron fortbewegten. Buckeln, ins Hohlkreuz, Buckeln, ins Hohlkreuz, immer im Wechsel, dazu wilde Gesänge. Vornedran Nadine Angerer, eine Torfrau mit Hut und Pokal.

Ein paar Schlachtgesänge und Sonntagsreden später schritt diese Bande an der Gemäldegalerie mittelalterlicher Kaiser vorbei dorthin, wo jeder deutsche Fußballer einmal stehen möchte: auf den schmalen, ehrwürdigen Balkon des Frankfurter Rathauses. Vornedran eine Torfrau mit Hut und Pokal.

Unter ihnen am Römerberg warteten weit mehr als 5.000 Fußballfans, manche von ihnen schon seit Stunden, singend, klatschend. Alle Hände zum Himmel, Fahnen überall.

Der Frauenfußball befindet sich ja in Deutschland für einige immer noch unter einem steten seltsamen Legitimationszwang. Das kann zu sehr anstrengenden Debatten über den Wert dieses Sports führen: Gehört er ins Fernsehen? Wen interessiert das? Die Frankfurter Szenerie beim Empfang der Europameisterinnen belegte wieder einmal: Sehr viele interessiert das. Frauenfußball hat in Deutschland Anziehungskraft, zumindest an Festtagen der Nationalmannschaft kann er die Masse bewegen.

Und die Masse sieht so aus: Kids mit langen, lauten Tröten, Familienväter im aktuellen Mbabi-Trikot, Familienmütter im Dress von Andy Brehme Modell 1990, Frankfurter Rentnerinnen, die ihre Streuselkuchenrunde unterbrachen, um mit ihren Smartphones Pics von den Fußballerinnen zu machen. Und kreischende, nicht nur weibliche Teenies mit schwarz-rot-goldener Gesichtsschminke in den vordersten Reihen. Die Stimmung bei diesem Fußballempfang glich an manchen Ecken einem Rockkonzert.

Die Masse sang so laut, dass man es auf der anderen Mainseite noch gehört haben muss. Und sie sang, was immer ihr aus den engagierten Lautsprechern eines regionalen Oldie-Senders vorgespielt (Highway to hell, We are the champions) oder von ihren Spielerinnen da oben vorgesungen wurde ("So sehn Sieger aus, schalalalala", "Halleluja, DFB!").