In der Moll de la Fusta liegt eine Yacht neben der anderen, von steilen Felsen ist weit und breit nichts zu sehen. Stattdessen kraxeln die Damen auf einem gewaltigen Gerüst hinauf an ihren Arbeitsplatz. Es ist ein Anstieg wie in einem riesigen Freilufttreppenhaus. Dann zeigen die Teilnehmerinnen je einen Pflichtsprung und zwei Kürsprünge. Weil sich Klippenspezialisten bei Rekordversuchen in der Vergangenheit bei der Landung im Wasser schon mal die Beine brachen, schnorcheln direkt neben der Eintauchstelle zur Sicherheit zudem stets drei Taucher herum – um im Fall der Fälle sofort zur Stelle zu sein. Und auch die andächtige Stille, die sich vor jedem Sprung über die WM-Stätte legt, vermittelt zumindest einen Hauch von dem nach Gefahr schmeckenden Lebensgefühl dieser Extremsportler. 

"Irgendwas lebt da drin"

Für den österreichischen Brausehersteller Red Bull ist das genau der richtige Mix: Die Marketingabteilung des Konzerns nahm das äußerst telegene Klippenspringen gewohnt zielgerichtet in sein Repertoire auf und führte vor vier Jahren eine professionelle Weltcupserie ein. In der wird nicht von funktionalen Gerüstbauten wie momentan in Barcelona gesprungen, sondern an atemberaubenden Orten auf den Azoren, Hawaii, Korsika oder in Rio de Janeiro. Aber auch schon mal vom Opernhaus in Kopenhagen oder vom Museumsschiff Rickmer Rickmers in Hamburg.   

Ein Segelschiff, das wie die Hoppetosse von Pippi Langstrumpfs Papa Efraim aussieht, ankert auch in der Moll de la Fusta. "Par Barcelona" heißt es und schaukelt nur 20 Meter vom Springergerüst entfernt vor sich daher. Auf der linken Seite des Bootes sitzen sieben ganz in weiß gekleidete Männer. Wie Matrosen sehen sie aus und in ihrer adretten Aufmachung schauen sie unter anderem Anna Bader zu, die später über das nicht eben saubere Hafenwasser von Barcelona berichtet: "Es ist salzig, ich habe Fische gesehen. Irgendwas lebt da drin, es kann nicht so schlecht sein." Nach jedem Sprung applaudieren die Schein-Matrosen dezent.