Was bedeutet die Anklage?

Die Staatsanwaltschaft hat aus ihrer Sicht genügend Beweise zusammengetragen, damit die Selbstanzeige von Uli Hoeneß unwirksam ist. In seiner Anzeige vom 12. Januar 2013 bekannte er sich schuldig, Kapitalerträge, also die Zinsen eines im Jahr 2000 in der Schweiz eingerichteten Kontos, über viele Jahre nicht in Deutschland versteuert zu haben. Hoeneß soll 3,2 Millionen Euro hinterzogen haben.

In den darauffolgenden Wochen prüften die zuständigen Ermittlungsbehörden Hoeneß’ Dokumente auf ihre Vollständigkeit und gerieten dabei ins Zweifeln: Am 20. März wurde ein Haftbefehl gegen Uli Hoeneß erlassen, seine Villa am Tegernsee und seine Geschäftsräume wurden durchsucht. Uli Hoeneß ist seitdem nur auf freiem Fuß, weil er eine Kaution in Höhe von fünf Millionen Euro hinterlegt hat.

Mit der Anklage zeigt die Staatsanwaltschaft, dass sie Hoeneß' Angaben für nicht korrekt hält. Oder dass sie Hinweise darauf hat, dass die Tat bereits entdeckt worden war, bevor Hoeneß die Selbstanzeige einreichte. Diese Version legt ein Bericht der Süddeutschen Zeitung nahe. Welche Anklagepunkte sich aus den Ermittlungen genau ergeben haben und wie hoch die Steuerschuld von Hoeneß vermutet wird, ist nicht bekannt. Weil in Steuerstrafverfahren besondere Geheimhaltungspflichten gelten, werden keine weiteren Einzelheiten über den Anklagevorwurf bekannt gegeben, erklärte das Oberlandesgericht in einer Pressemitteilung.

Wieso hat das alles so lange gedauert?

Die Staatsanwaltschaft hat über vier Monate investieren müssen, um sämtliche Formulare, Kontobewegungen und Steuererklärungen auszuwerten: eine bürokratische Mammutaufgabe. Allein das Sichten und Sortieren der Dokumente hat mehrere Wochen in Anspruch genommen. Danach mussten die Steuerermittler, die mit dem Fall betraut gewesen sind, ihre jeweiligen Ergebnisse zusammentragen, um die Anklageschrift zu formulieren.

Kann Hoeneß Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern bleiben?

Eigentlich nicht. Doch darüber können außer Hoeneß selbst nur seine Aufsichtsratskollegen entscheiden. Die acht Herren aber standen bisher fest zu ihm, auch weil sie geschäftlich eng mit Hoeneß und dem FC Bayern verbunden sind. Schon Anfang Mai hatte Hoeneß dem Aufsichtsgremium seinen Rücktritt angeboten. Mit 8:0 votierte der Rat für Hoeneß. Schon damals gab es dafür Kritik. 

Dass das Resultat nach der tatsächlichen Anklageerhebung und erst recht nach einer Verurteilung noch einmal so ausfallen würde, ist daher unwahrscheinlich. In ihren Unternehmen vertreten die Aufsichtsräte teilweise sehr strikte Verhaltens- und Anti-Korruptionsregelungen. Ein überführter Steuerhinterzieher an der Spitze der FC Bayern München AG, eines großen und vor allem prestigeträchtigen Unternehmens, ließe sich da wohl nur schwer vermitteln. Zumal sich der Aufsichtsrat schon im Mai ein Hintertürchen offen ließ. "Der Aufsichtsrat wird die Angelegenheit weiterhin beobachten und sich bei Vorliegen neuer Erkenntnisse mit dem Thema befassen", heißt es in der Pressemitteilung des FC Bayern nach dieser Sitzung.