Seit 1960 wird in Deutschland der Fußballer des Jahres geehrt. Es ist hierzulande für viele der prestigeträchtigste Preis, den ein einzelner Spieler in der Mannschaftssportart Fußball gewinnen kann. Es gibt einen hübschen Pokal, alle Medien berichten und der Sieger trägt sich mit seinem Namen in die ewige Liste der Fußball-Legenden ein. Zwischen Uwe Seeler, dem ersten Gewinner, und einem Rekordsieger namens Franz Beckenbauer.

Dass die Wahl in ihrer Bedeutung vielleicht doch etwas überhöht sein könnte, zeigt die diesjährige Panne um die Wahl von Bastian Schweinsteiger. Denn es sind weder die Millionen an Fans noch das geballte Expertentum aus Spielern, Trainern oder Managern, die über den besten Fußballer des Landes richten, sondern Sportjournalisten. Wenige Sportjournalisten.

Von den etwa 3.700 wahlberechtigten Journalisten, die sich im Verband der Sportjournalisten (VDS) organisieren, gaben in diesem Jahr lediglich 527 ihre Stimme ab, berichtet Focus Online. Schweinsteiger reichten 92 Stimmen zum Sieg. Das sind nicht einmal 2,5 Prozent aller Stimmberechtigten – ein Wert, der jeden Statistiker an der Aussagekraft der Wahl zweifeln lässt. "So ein Ergebnis kann man auch als zufällig oder beliebig betrachten", sagt Josef Hackforth, ehemaliger Leiter des Lehrstuhls für Sport, Medien und Kommunikation der Technischen Universität München.

Als Grund für die Stimmarmut galt zunächst eine Panne beim Sportmagazin Kicker, das die Wahl alljährlich organisiert. Durch eine fehlerhafte Excel-Datei wurden bei den Einladungen zur Wahl Nachnamen und Adressen der stimmberechtigten Journalisten vertauscht. Nur die wenigsten bekamen die Briefe. "Es war ein menschlicher Fehler und menschliche Fehler passieren eben", sagte der Kicker-Herausgeber Rainer Holzschuh. Später schrieb der Kicker auf seiner Website, der Fehler wurde "umgehend korrigiert" und jeder Wahlberechtigte hätte die Zugangsdaten für die Wahl erhalten. "Bei der Teilnehmerzahl gab es schon immer große Schwankungen", heißt es weiter.

Schweinsteiger wird seinen Titel behalten dürfen, beim Kicker wird dennoch über eine künftige Änderung des Wahlverfahrens nachgedacht. "Wir haben registriert, dass die Teilnehmerzahl bei der Befragung rückläufig ist", sagte Holzschuh. 2012 stimmten 846 Pressevertreter ab, 2011 waren es noch 969. "Wir werden die Wahl in den nächsten Wochen intern auf den Prüfstand stellen", sagte er. Eine Leserbefragung schloss Holzschuh aus, vielmehr könnten bald die Spieler selbst über ihren Besten entscheiden. Deren Adressen wird der Kicker sicher nicht vertauschen.