Der eine schaut amerikanische Serien auf DVDs, ein anderer Filmchen der Social-Media-Freunde. Medienwandel nennt man das. In dieser medial so zersplitterten Welt gibt es nicht mehr viele Exklusivrechte, für die sich zwei der größten Medienkonzerne des Landes die Köpfe einschlagen würden. Die Tore der Fußball-Bundesliga gehören auf jeden Fall dazu.

In den vergangenen Tagen duellierten sich der Pay-TV-Sender Sky aus dem Hause des Medienmoguls Rupert Murdoch und der Axel-Springer-Verlag. Es wurde geprahlt, getäuscht und mit Klagen gedroht. Und am Ende ein recht seltsamer Kompromiss gezimmert.

Eigentlich dachte die Deutsche Fußball-Liga (DFL), alles richtig gemacht zu haben, als sie im April 2012 die TV-Rechte der nächsten vier Bundesliga-Spielzeiten verkaufte. Sie strich mehr Geld ein als je zuvor. Allein Sky würde künftig jährlich 485,7 Millionen Euro überweisen, um Live-Bilder aus den Stadien zeigen zu dürfen. Zusätzlich freute man sich über die insgesamt 20 Millionen Euro, die der Springer-Verlag zu berappen bereit war, um die Höhepunkte der Spiele erstmals zeitnah im Internet zeigen zu dürfen.

Doch spätestens in dieser Woche war es mit der Ruhe in der DFL-Zentrale in Frankfurt am Main dahin. Die Fußball-Liga musste bei dem medialen Hahnenkampf den Schiedsrichter geben und wusste zeitweise scheinbar auch nicht so recht weiter.  

Alles dreht sich um die "Bundesliga-Revolution im Internet". So jedenfalls preist die Bild derzeit ihr Programm an. Eine Stunde nach Abpfiff eines jeden Spiels werden auf Bild plus die Highlights aller Partien gezeigt. Die einzelnen Videos werden bis zu sechs Minuten lang und auf dem PC, Smartphone oder Tablet-PC abrufbar sein. Voraussetzung ist ein Abo von Bild plus. Der Dienst kostet knapp acht Euro im Monat.

Für Springer ist die Bundesliga dabei nicht nur irgendein Investment. Das einstige Zeitungshaus möchte zu einem großen Player in der Digital-Industrie werden. Eine sogenannte Paywall, eine Bezahlschranke, aber rechtfertigt nur, wer exklusive Inhalte anbieten kann. Ein exklusiveres und wertvolleres Recht als die Fußball-Bundesliga gibt es nicht. Die Springer-Leute waren also hochzufrieden, bis ihnen plötzlich Sky von hinten in die Beine grätschte.

DFL steckt in der Zwickmühle

Der Bezahlsender kündigte mit reichlich Getöse eine App an, die dem Bild-Angebot Konkurrenz machen sollte. Über die iPhone- und iPad-App von Sky Sport News HD, so hieß es, seien die Bundesliga-Tore eine Stunde früher zu sehen als bei der Konkurrenz, quasi direkt nach Spielschluss. Und das alles auch noch deutlich billiger als beim Blatt mit den vier großen Buchstaben: 4,49 Euro sollte das Programm kosten.

Springer fand das verständlicherweise gar nicht komisch. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die DFL das Vorgehen von Sky billigt", ließ der Chef Mathias Döpfner verlauten. Er zürnte, wenn die Online-Rechte "sozusagen anderthalbmal verkauft worden" seien, ginge es nicht nur um Schadenersatz, sondern auch um Betrug. Von "strafrechtlichen Schritten" war die Rede.

Bei der DFL vernahm man die Botschaft, steckt aber ein wenig in der Zwickmühle. Die Liga kann sich kaum leisten, es sich mit einem der Beteiligten zu verderben. Sky ist bei Weitem der größte Geldgeber der Bundesliga. Und der Springer-Konzern hat mit der Bild quasi die Meinungsmacht in der Bundesliga.

Die DFL reagierte am Mittwochabend mit einer Pressemitteilung, die so schwammig formuliert war, dass sie nur noch mehr Verwirrung stiftete. Es ging um "non-lineare" oder "on-demand abrufbare Berichterstattung". Hinterher jedenfalls wusste niemand, was die DFL denn nun entschieden hatte. Einige Medien interpretierten das Bulletin pro Sky ("DFL unterstützt Sky im Lizenzstreit mit Springer"), andere sahen darin genau das Gegenteil ("DFL setzt Sky Grenzen").

Springer als großer Verlierer

Am Donnerstag einigten sich die Beteiligten dann doch, gerade noch rechtzeitig, einen Tag vor Anpfiff der neuen Saison. Das Ergebnis des Streits ist dabei reichlich bizarr: Beide dürfen die Tore zeigen.

Der Kompromiss funktioniert, weil das Programm bei Sky linear abläuft. Die App ist gewissermaßen nur die Abspielplattform des Streams von Sky Sport News HD. Die Zusammenfassungen laufen, ohne dass man sie stoppen oder vor- und zurückspulen kann. Wer die Tore seines Vereins verpasst hat, muss warten, bis der Stream das nächste Mal durchläuft. Bei Bild plus dagegen kann der Nutzer die Zusammenfassung des Spiels, das er sehen möchte, direkt anwählen. Zudem hat sich Sky wohl auf Drängen Springers verpflichtet, nicht nur die Tore wie bisher, sondern mindestens vierminütige Spielzusammenfassungen zu zeigen. Wahrscheinlich hält Springer längere Filmchen für weniger wertvoll als Torschnipsel.

Dennoch sehen Branchenkenner in Springer den großen Verlierer des Streits. Ihr Format ist jetzt nicht nur eine Stunde später dran, sondern lässt den Konkurrenten auch zum ersten Mal so etwas wie eine Online-Sportschau produzieren. Ein Produkt, das schon seit einer Weile als Zukunft der Fußballberichterstattung gehypt wird.