Am Sonntag wird gewählt, es ist Zeit für eine politische Bilanz. In allen Ressorts wie Wirtschaft, Verteidigung oder Umwelt rechnet man die Verdienste der Regierung gegen ihre Versäumnisse auf. Für den Sport lässt sich sagen: Mit den Verdiensten von Schwarz und Gelb muss man sich nicht lange aufhalten, in wohl keinem anderen Ressort haben sich Union und FDP in den vergangenen vier Jahren ein ähnlich schwaches Zeugnis verdient.

Immerhin, die 10:8-Mehrheit gegenüber der Opposition haben sie gut genutzt: zur Verhinderung mancher Idee, vor allem zur Verharmlosung der vielen Probleme im Sport. Daher mag sich die Koalition als Sieger fühlen, ihr oft triumphierender Ton in den Sitzungen lässt darauf schließen. Aber ihrem Auftrag kam sie nicht nach. Der lautet, den Steuerzahler zu vertreten und Kontrolle über den Sport auszuüben.

Zum Beispiel das Thema Doping: Es gibt zwar eine sehr geringe Zahl an positiven Doping-Fällen, aber alarmierende Umfragen über dessen Verbreitung, auch in Deutschland. Schwarz und Gelb hinterließen jedoch den Eindruck, dass sie das Phänomen nicht erkennen oder wahrhaben wollen. Sie scheinen Doping für ein Problem anderer Nationen zu halten. Immer wieder erzählten sie in Ausschusssitzungen das Märchen vom vorbildlichen Anti-Doping-Kampf in Deutschland.

Der Armstrong-Jäger Travis Tygart war geschockt

Über ein Doping-Gesetz beispielsweise diskutiert der deutsche Sport seit Jahren. Im Sportausschuss lehnen es Union und FDP ab, obwohl der Innenminister Hans-Peter Friedrich, nicht Mitglied des Sportausschusses, es inzwischen befürwortet. Es gibt in der Tat Gründe, die gegen ein solches Gesetz sprechen. Viele Fragen sind unbeantwortet: Ist es effektiv, würde es zum Feigenblatt, kann man es mit der Sportjustiz kombinieren? Doch mit solchen Details halten sich die wenigsten Sportpolitiker lange auf. "Die Koalition im Sportausschuss hat generell kein Interesse am Anti-Doping-Kampf", sagte der Pharmakologe Fritz Sörgel nach seinem dortigen Auftritt.

Angesichts der kümmerlichen Bilanz der Nationalen Anti-Doping-Agentur und ihrer Unterfinanzierung sollte jedenfalls unstrittig sein: Der Anti-Doping-Kampf sollte dem Sport entzogen und in unabhängige Hände gelegt werden. Das hat etwa der amerikanische Armstrong-Jäger Travis Tygart dem Sportausschuss in einer Sitzung im Januar 2013 empfohlen. "Ich war geschockt, als ich erfuhr, dass in Deutschland die Sportverbände Disziplinarverfahren gegen ihre eigenen Athleten durchführen", sagte er, "das ist ein Interessenkonflikt." Für solche Ratschläge hatten die Mitglieder im Sportausschuss zwei offene Ohren: links rein, rechts raus.