Wie es ist, wenn der Chef nicht an der üblichen Stelle steht, musste Sven Bender in Neapel erleben. Jürgen Klopp war beim Auftakt der Champions-League-Saison nach seinem Ausraster auf die Tribüne geschickt worden, an der Seitenlinie klaffte eine Lücke: "Du bist es ja gewohnt, dass er dort steht, gestikuliert, motiviert und dir kleine Hinweise gibt", berichtete der Nationalspieler. Diese Unterstützung wird auch beim heutigen Heimspiel gegen Olympique Marseille (20.45 Uhr, live bei Sky und im Live-Ticker von ZEIT ONLINE) fehlen, Dortmunds Trainer ist für sein Fehlverhalten sanktioniert worden und darf das Spiel nur aus der Entfernung verfolgen.

Für ihn rückt ein Mann ins Rampenlicht, der eigentlich alles dafür tut, genau dort nicht aufzutauchen: Željko Buvač. Es soll tatsächlich schon Journalisten gegeben haben, die aus dem Munde des 52-Jährigen mehrere zusammenhängende Sätze in Folge vernommen haben. Aber das ist mehr als zwölf Jahre her. Damals fungierte Buvač als Cheftrainer des Oberligisten SC Neukirchen, und in dieser Funktion gehörte es zu seinen Aufgaben, der Presse die wichtigsten Gegebenheiten des Tagesgeschäfts zu erläutern. Mit großer Begeisterung ist der Bosnier dem nicht nachgekommen.

Es wird ihm ein Lächeln auf das Gesicht gezaubert haben, als er im Jahr 2001 von der lästigen Pflicht erlöst wurde. Damals kam der Ruf aus Mainz, seitdem arbeitet Buvač als Kotrainer von Jürgen Klopp, dem er 2008 nach Dortmund folgte. Zweifellos bietet die Liason viele Vorteile, einen wird dem 49-Jährigen ganz besonders zusagen: Er muss in der Öffentlichkeit nicht mehr reden. 

In fünf Jahren kein Interview

Željko Buvač spricht nur das Nötigste. Das ist keine Attitüde, sondern es entspricht seinem Naturell. Seit das Erfolgsgespann Klopp/Buvač seine Zelte im Revier aufgeschlagen hat, gab Buvač noch kein einziges Interview. Er hält sich am liebsten im Hintergrund, was ihm meist gelingt, obwohl das bei einer Größe von 1,92 Metern und der dunklen Mähne gar nicht so leicht ist.  

Die Symbiose zwischen Klopp und seinem Assistenten auf dem Trainingsplatz erscheint geradezu ideal: Auf der einen Seite der brillante Rhetoriker, der sich im Scheinwerferlicht eloquent und charmant zu bewegen weiß, auf der anderen Seite der Macher, dem sie aufgrund seines Fußball-Sachverstands den Beinamen "Das Gehirn" gegeben haben. Bei den Dortmunder Profis gilt der Bosnier als Koryphäe, "was er sagt", betont Nuri Sahin, "ist Gesetz."  

Klopp und Buvač kennen sich seit ihren gemeinsamen Tagen als Profis bei Mainz 05. Der eine (Klopp) war ein nimmermüder Rackerer, der vom Stürmer zum Verteidiger umfunktioniert wurde, der andere zog im Mittelfeld die Fäden. Es entstand eine Freundschaft, die auch dann noch Bestand hatte, als sich die Wege zwischenzeitlich trennten. Als Klopp in Mainz vom Spielfeld weg zum Cheftrainer befördert wurde, erinnerte er sich an den gemeinsamen Treueschwur und löste ihn ein: Wann immer einer von beiden als Trainer im Profifußball Fuß fassen sollte, würde er den anderen an seine Seite holen.