Der Deutsche Gewerkschaftsbund ( DGB ) und der Deutsche Fußball-Bund ( DFB ) wollen sich mit einer gemeinsamen Aktion für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen im Golfstaat Katar einsetzen. DGB-Chef Michael Sommer sagte in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung , auf den WM-Baustellen werde weiterhin "gequält und gestorben". In Absprache mit DFB-Präsident Wolfgang Niersbach soll daher nun der Weltverband Fifa und über ihn das Emirat in die Pflicht genommen werden.

Demnach wollen Sommer und Niersbach die 24 Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees mobilisieren . Sommer werde dazu die Gewerkschaftschefs in jenen Ländern anschreiben, aus denen die 24 Fifa-Funktionäre stammen. Niersbach werde sich direkt an sie wenden. "In maximal sechs Wochen" wollen sie laut Sommer die Ergebnisse ihrer Aktion sichten. "Dann gehen wir auf die Fifa los", sagte der Gewerkschafter.

Konkret wollen die beiden Verbände erreichen, dass künftig die Mindeststandards der Internationalen Arbeitsorganisation ( ILO ) auch in Katar gelten. Dafür soll die Fifa sorgen. Dazu gehören etwa die Beseitigung von Diskriminierung und Zwangsarbeit sowie die Zulassung von Gewerkschaften.

"Wir ziehen das durch"

Vor wenigen Wochen hatte der britische Guardian über die katastrophalen Zustände auf den WM-Baustellen im Emirat am Persischen Golf berichtet . Demnach sollen dort allein zwischen Juni und August insgesamt 44 Gastarbeiter aus Nepal ums Leben gekommen sein, zur Hälfte an Herzversagen oder bei Arbeitsunfällen. Katar wies die Schilderungen empört zurück . Es gebe keine Sklaverei und keine Zwangsarbeit, hieß es.

Der Bericht sorgte international für Aufsehen – ließ Fifa-Präsident Sepp Blatter aber kalt . "In jedem Land der Welt", so der Fußball-Boss, "kann es zu tödlichen Zwischenfällen auf Baustellen kommen, insbesondere auf WM-Baustellen." Einem möglichen WM-Entzug erteilte der 77-Jährige eine klare Absage: "Wir wollten Katar, und wir ziehen das durch."