Der Football landet immer im Ziel. Im Basketballkorb, in einem fahrenden Auto und, rückwärts geschossen, im Mülleimer. Nicht zuletzt trifft der junge Mann im Youtube-Video aus fast jeder Entfernung zwischen die Stangen, hinter denen es im American Football Punkte gibt. Der Schütze heißt Håvard Rugland, ist 28 Jahre alt und kommt aus Norwegen. Im Netz nennt er sich Kickalicious, eine Mischung aus Kick und delicious, also lecker. Eine Verheißung, die mehr als fünf Millionen Klicks seit September 2012 bestätigen und der auch die Manager diverser Klubs der amerikanischen Profiliga NFL erlegen sind.

Zwei Monate nachdem er den Videoclip ins Internet gestellt hat, machte sich der 28-jährige Rugland, der eigentlich Lehrer ist, auf den Weg nach Kalifornien. Scott Cohen, der Manager des NFL-Teams New York Jets, hatte ihn per Mail zum Probetraining eingeladen. Ruglands Emailadresse steht neben seinem Youtube-Clip. Er dachte zunächst, seine Freunde hätten sich einen Scherz erlaubt: "Ich musste erst einmal die Adresse des Absenders überprüfen, bis ich glauben konnte, dass die Email echt ist."

Im Trainingslager bewies Rugland, dass auch sein Video keine Täuschung war. Sein Trainer, der ehemalige Profi-Kicker Michael Husted nannte ihn gegenüber der Huffington Post den beeindruckendsten Nicht-Football-Spieler, mit dem er je zusammen gearbeitet habe. "Er schießt den Ball so hoch und so weit wie viele NFL-Kicker, wenn nicht weiter."

Dabei kannte Rugland noch nicht einmal die Football-Regeln, als er das erste Mal in die USA flog. Er spielte Fußball, 20 Jahre lang bei den Amateuren seines Heimatvereins in Ålgård. Ein American-Football-Team war ihm fremd, obwohl er mit 1,88 Metern und 109 Kilogramm die geeignete Statur vorweist. Aber was ein Kicker im Football zu tun hat, wusste er.   

Kicker sollen Field Goals und Extrapunkte nach dem Touchdown erzielen. Sie werden nur in bestimmten Situationen eingewechselt, können aber Spiele entscheiden. Rugland war sicher: "Ich will Kicker werden."

Die New York Jets engagierten Rugland nach dem Probetraining nicht. Einladungen dieser Art sind oft unverbindlich und die Jets hatten mit Nick Folk schon einen erfahrenen Kicker im Kader. Daher musste Rugland im Winter zurück nach Norwegen. Doch in diesem Frühling kam ein neues Angebot. Die Detroit Lions nahmen Rugland im Mai nach einem diesmal erfolgreichen Probetraining in den Kader auf, der die NFL-Saisonvorbereitung bestreitet.