Trotz des Phantom-Tors von Stefan Kießling hat das DFB-Sportgericht eine Wiederholung des Bundesliga-Spiels von 1899 Hoffenheim gegen Bayer Leverkusen abgelehnt. Es habe keinen Regelverstoß durch Schiedsrichter Felix Brych gegeben, entschied das Gericht. Den Regeln entsprechend wurde der Einspruch von Hoffenheim gegen die Wertung des 1:2 am 8. Spieltag abgewiesen. Gegen das Urteil kann Hoffenheim Einspruch beim DFB-Bundesgericht einlegen.

Nach rund 90-minütiger Verhandlung und anschließender Beratung in der Frankfurter DFB-Zentrale berief sich das Sportgericht auf eine Tatsachenentscheidung durch Referee Brych. "Ich habe gedacht, der Ball geht am Tor vorbei. Ich habe den Ball aus den Augen verloren durch eine Sichtbehinderung", erklärte der als Zeuge geladene Unparteiische. "Danach habe ich gesehen: Der Ball lag im Tor."

Kießling selbst dachte bei seinem Phantom-Tor im ersten Moment, Hoffenheims Torwart Koen Casteels habe den Ball noch ins Netz gelenkt. "Ich sehe den Ball Richtung Außennetz fliegen, die Sicht war versperrt, ich sehe den Einschlag nicht, aber dass der Ball dann im Tor war", sagte Kießling.

Das Gremium entschied in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes über den Einspruch von 1899 Hoffenheim gegen die Wertung des Skandalspiels vom 18. Oktober. Bayer Leverkusen hatte die Bundesliga-Partie dank des Phantom-Tors von Kießling mit 2:1 gewonnen. Sein Kopfball war ans Außennetz geflogen und von dort durch ein Loch ins Tor. 

DFB betont Unabhängigkeit des Gerichts

Der DFB hatte von Anfang an darauf verwiesen, dass er sich in diesem Fall mit dem Weltverband Fifa beraten wird. Dieser hat bisher immer auf Tatsachenentscheidungen der Referees beharrt. In Paragraf 14 der Spielordnung der Deutschen Fußball Liga ( DFL ) heißt es zudem, dass rechtskräftige Entscheidungen zu Spielwiederholungen "zur abschließenden Beurteilung" der Fifa vorgelegt werden müssen.

Der Vorsitzende Richter Hans E. Lorenz hatte zum Auftakt der Sportgerichtsverhandlung die Unabhängigkeit des Gremiums ausdrücklich betont. "Das DFB-Sportgericht ist ein unabhängiges. Wir machen hier keine Entscheidungen, damit sie dem DFB, der DFL oder der Fifa gefallen", erklärte er.

Laut Lorenz gab es aber keine offizielle Anfrage des DFB an die Fifa, sondern nur einen informellen Austausch von DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock mit einem Fifa-Vertreter. "Der Fifa-Vertreter hat uns zu verstehen gegeben, dass es ihnen fernliegt, uns irgendwelche Vorschriften zu machen", so der Richter.

Zweifel an der Flugbahn des Balles

Schiedsrichter Brych hat nach seinen Angaben in der besagten Szene auch mit seinen Assistenten kommuniziert. Von Linienrichter Stefan Lupp habe es ein zustimmendes Kopfnicken gegeben. Mit dem anderen Assistenten Mark Borsch habe er via Headset gesprochen.

Brych sagte über die kurze Unterhaltung mit Kießling unmittelbar nach dem irregulären Treffer, er könne sich an den genauen Wortlaut nicht erinnern: "Sinngemäß hat er auch Zweifel an der Flugbahn des Balles geäußert. Er hat nicht gesagt, dass es kein Tor war." 

Die beiden Platzwarte von 1899 Hoffenheim hatten vor Gericht keine Erklärung für das Loch im Netz, das seit 2011 verwendet wird.